04.03.2010

Playlist 28.03.10

Posted in by Andreas, Tobias & Lisa | Edit
Und man soll es nicht für möglich halten, aber wir werden kurz nach dem Erscheinen der Sendung, die Bandvorstellung als Podcast anbieten. Unser kleines Projekt wächst und gedeiht. -- euer Andreas & Tobias

Playlist:

01 Dezperadoz - dust of history
02 Borknagar - havoc
03 Jon Olivas Pain - death rides a black horse
04 35007 - herd
05 Helloween - mirror mirror
06 Brutality - cryptorium
07 Necrophagist - stabwound
08 Mathyr - thorns in the first dimension
09 Mathyr - nine
10 The Sweet - teenage rampage
11 Suzi Quatro - 48 crash
12 T-Rex - children of the revolution
13 The Darkness - one way ticket
14 Arcturus - kinetic
15 Dodheimsgard - vendetta assassin
16 Ulver - it is not sound
17 Enslaved - entroper
18 Van Canto - kings of metal


01.Dezperados - dust of history
Album: The Legend And The Truth
Germany 2006

Genau 125 Jahre nach dem legendären Postkutschenüberfall in Tombstone am 21. April 1881 haben sich die Dezperadoz erneut in die Sättel geschwungen, um ihren langerwarteten Nachfolger „The Legend And The Truth“ zum 1999er Werk „The Dawn Of Dying“ auf die Western-Freunde unter uns Headbangern loszulassen. Holt Eure Lassos raus, denn dieses Album ist wild und ungestüm wie ein bockender Gaul, holt die Whiskey-Gläser, denn dieses Album ist so würzig und haut einen um wie ein großer Schluck aus der Pulle bei 40 Grad im Schatten. Alex Kraft, die (Achtung: Wortwitz) treibende Kraft bei den Dezperadoz hat sich auf dem aktuellen Werk dem Thema Wyatt Earp angenommen und seine Biographie in fünfzehn feine Tracks eingeflochten, in denen mit der Legende um den Westernheld aufgeräumt wird. Wyatt Earp war ein (Über-)Lebenskünstler, der sich als Farmer, Saloonbesitzer, Pferdedieb, ja auch als Ordnungshüter versuchte. Wirklich ruhig ist sein Leben nie verlaufen, die Rivalitäten mit der Clanton/McLaury-Gruppe, einer Bande von Viehdieben und Postkutschenräubern, prägten den weiteren Lebensweg von Earp. Als am 21. April 1881 bei Tombstone die Postkutsche überfallen und 80.000 Dollar erbeutet wurden, verdächtigen sich die Clantons und Earps gegenseitig der Täterschaft. Der Streit kulminierte schließlich im berühmten Gunfight at the O.K. – die Wyatt überlebte und fortan ziellos durch den Westen zog. Soweit die Legende. Die Wahrheit besagt, dass Alex Kraft etliche Jahre an dem Konzeptalbum arbeitete (siehe dazu auch das Interview mit ihm), Ideen verwarf und schlussendlich seine Vision vom im Wilden Westen angesiedelten Heavy Metal umsetzen konnte. Im Ergebnis erwarten so den Hörer fette Metal-Riffs, sehr atmosphärischer Western-Flair, äußerst eingängige Melodien und brillante Versatzstücke, die dem Gesamteindruck des Albums äußerst zuträglich sind. Hier ertönt die Mundharmonika beim Opener und Titeltrack im Stile von Ennio Morricone´s „Spiel mir das Lied vom Tod“, es ertönt das charakteristische Klacken des Trommelrevolvers, eine Whiskey-Flasche wird entkorkt, besser hätte man das Wild West-Flair nicht einfangen können. Als Gastsprecher kommen Michael Weikath von Helloween bei „First Blood“, Tobias Sammet von Edguy bei „March To Destiny“, Joacim Cans von Hammerfall bei „Ok Corral“, Doro bei „Earp´s Vendetta“ und alle zusammen bei „Echoes Of Eternity“ zum Einsatz, was dem Album eine Art Hörspiel-Charakter gibt, natürlich mit beinharter Metal-Attitüde. Der große Pluspunkt des Albums sind aber die fantastischen Westernmelodien, die jedem Italo-Western perfekt geziert hätten als auch das absolut Ohrwurm-lastige Songmaterial. „Dust Of History“ und „Deadman Walkin´“ werden wohl des Rezensenten Schädel in diesem Leben nicht mehr verlassen, während „Friends Till The End“ mit einer gezupften Gitarren-Melodei aufwartet, die schlichtweg grandios ist. Das Finale „Echoes Of Eternity“ wartet mit einer oscarreifen Soundtrack-Collage auf, die würdig dieses großartige Album beschließt. Hinzu kommt der passende, raue und extrem emotionale Gesang von Alex Kraft, der hier eine bärenstarke Leistung abliefert. Alle, die halbwegs etwas mit Western anfangen können und sich an dessen typischen Melodien berauschen können, kommen an „The Legend And The Truth“ nicht vorbei. Das Konzept innovativ, die Umsetzung makellos, die Melodien so episch wie die Prärie. --whiskey & soda

02.Borknagar - havoc
Album: Universal
Norway 2010

BORKNAGAR sind weiterhin eine der renommiertesten Bands des progressiven Black Metals überhaupt. Das liegt sicher nicht zuletzt darin begründet, dass sie seit langer Zeit eine Sparte bedienen, die sonst höchstens von Vintersorg oder Arcturus, inzwischen vielleicht auch Enslaved, mal gestriffen wird. Das hinderte die Truppe um Mastermind Øystein G. Brun allerdings nicht daran, im Verhältnis zum musikalischen Anspruch relativ unbekannt zu bleiben. Und das, obwohl die Ex-Mitglieder BORKNAGARs großteils zur norwegischen Black Metal-Elite zählen. Inzwischen hat sich das etwas gelegt, bis auf den Chefprominenten Andreas Hedlund befinden sich keine absoluten „Superstars“ der Szene mehr in der Band. Seit dem letzten vollwertigen BORKNAGAR-Album „Epic“ sind stolze sechs Jahre ins Land gezogen, das Akustik-Album „Origin“ war 2006 zwar eine überaus interessante Exkursionin ruhigere Gefilde, 100% BORKNAGAR war es aber eben trotzdem nicht. „Universal“ soll Abhilfe schaffen. Wie üblich als bestes, tollstes und coolstes Album der Bandgeschichte angekündigt, stellt sich für Fans die Frage nach Qualität des Albums sowieso nicht, die stimmt eigentlich immer. Nein, interessant ist eher für Hörer, denen die Mischung aus Black Metal-Überbleibseln, Keyboardmelodien und Folk-Anleihen zu schwer verdaulich ist, ob BORKNAGAR auf „Universal“ einen neuen Aspekt in ihre Musik integrieren, der den Zugang endlich ermöglicht. Nach der ersten Nummer „Havoc“ fühlt sich der alteingesessene Fan bereits bestätigt, er denkt sich: Cool, hier kann ja tatsächlich nichts schiefgehen. Der Opener ist gewohnte BORKNAGAR-Kost, straight voranpreschend, Hedlund kraftvoll krächzend in mittlerer Stimmlage, ein bisschen zügiges Akustik-Geschwurbel zwischendurch und natürlich nicht zuletzt der berüchtigte „Space Folk“-Sound, an dem sich die Geister ebenso scheiden, wie an Hedlunds knödeligem Klargesang. Und man mag es kaum glauben, Mr. Brun ließ sich nicht lumpen und integrierte wirklich eine neue Komponente in die Musik, die in Form von Keyboard- (oder auch tatsächlich gesungenen?) Chören auf einigen Songs in den BORKNAGAR-Sound Einzug hält. Das ist ganz cool, weil zu diesen Gelegenheiten der oft arg verspielte, überladene Stil der Truppe in abgespeckter Form präsentiert wird. Da geht es dann stattdessen mit dezent hymnischem Charakter zur Sache, eine überaus begrüßenswerte Abwechslung, die etwa „Worldwide“ zu einem der gänsehautträchtigsten BORKNAGAR-Songs überhaupt macht. Aber auch „Fleshflower“ mit seinen getragenen Melodien sticht positiv hervor, ebenso wie das abschließende „My Domain“. Hier feiert ICS Vortex ein kleines Revival am Mikro, und ob dessen mitreißenden Gesangs kann man schonmal etwas nostalgisch werden, was den Charakter des Songs auch perfekt träfe. Trotzdem ist Hedlund gesanglich natürlich über jeden Zweifel erhaben, und auch seine Mitstreiter sind Profis auf ihren Posten, die dies weniger offen an bestimmten Stellen zeigen, als dass sich die Erkenntnis vielmehr aus dem dauerhaft anspruchsvollen Soundgewand ergibt. War „Universal“ dann nochmal besser als „Epic“ macht, ist größere Homogenität unter den Songs: Wo auf dem Vorgänger der Kontrast zwischen Songs wie bspw. „The Weight of Wind“ auf der einen und „Future Reminiscence“ auf der anderen Seite so deutlich war, dass man fast von einer Songansammlung sprechen musste, verbreitet „Universal“ kontinuierlich eine locker-leichte, futuristische Space-Atmosphäre, die nochmal eine gute Portion umfassender, freier und ungezwungener wirkt als auf vorangegangenen Alben. Noch beim Rezensieren bemerkte ich ab dem fünften mit jedem weiteren Durchlauf, dass sich kein einziger Song auf diesem Album eine Blöße gibt und dass man mit diesem Album auch nicht Gefahr läuft, durch Überkonsum der zu verspielten Atmosphäre (wie es bei „Epic“ schon mal der Fall war) genervt zu werden, vielmehr wächst „Universal“ immer weiter zu einer Einheit zusammen, aus der sich mit jedem Anhören wieder neue Höhepunkte entwickeln. Auf einzelne Elemente einzelner Songs weiter einzugehen, würde den nicht besprochenenen aufgrund der Vielfalt und Klasse, die in jedem einzelnen Lied geboten wird, nicht gerecht, weshalb nur noch bleibt, eine klare Kaufempfehlung auszusprechen: BORKNAGAR haben Schwächen ausgemerzt, Stärken hinzugewonnen, werden ihrem Ruf gerecht, und wegen der neuen, etwas zugänglicheren Ausrichtung dürfen sich auch bisher eher abgeneigte Genüge nochmal an den Jungs versuchen. --metal1.info

03.Jon Olivas Pain - death rides a black horse
Album: Festival
USA 2010

Der Mountain King liefert wieder Qualität in Serie. "Festival" ist bereits das vierte Album, das Jon Oliva mit PAIN herausbringt. Aber anders, als der Name vermuten lässt, handelt es sich dabei nicht um einen Livemitschnitt, sondern eine Studioscheibe mit neuem, gutklassigem Material rotiert unter dem Laser. Allerspätestens jetzt dürfte klar sein, dass PAIN im Gegensatz zu mancher anderen Band oder halbgaren Soloplatte aus der Erbmasse von SAVATAGE kein Strohfeuer ist. Der Sänger Jon Oliva erreicht längst nicht mehr die schrillen Sirenenhöhen wie auf den Frühwerken von SAVATAGE, aber dennoch erkennt man seinen charakteristischen Gesang in jeder Zeile wieder. Und genau so, in einem kontrollierten, zurückgenommenen Rahmen die alten Markenzeichen durchscheinen zu lassen, hört sich die ganze Scheibe an. Wenn man unbedingt einen Vergleich zu SAVA ziehen will, passen weder die leidenschaftlichen Metalalben der Achtziger, noch die bombastischen Konzeptwerke der Neunziger so ganz. Mich persönlich erinnert "Festival" am ehesten an "Poets And Madmen", jenem 2001er Opus, das nach mehrjähriger Pause unter widrigen Umständen (zwei plötzliche Besetzungswechsel) eingespielt wurde und sich im Nachhinein als Abschiedsalbum dieser unvergessenen Gruppe herausstellen sollte. Was weiterhin auffällt, ist die Vielseitigkeit des Albums bis in die einzelnen Stücke hinein. Titel wie 'Lies', 'Afterglow' oder 'The Evil Within' liefern so viele Brüche und Wendungen, dass sie jeweils Ideen für mehrere Lieder enthalten - und die meisten anderen Bands hätten vermutlich auch mehrere verschiedene Lieder daraus gemacht. Aber auch wenn es mal kompakter zugeht, vermag die CD zu überzeugen, etwa auf dem typischen Kracher 'Living On The Edge' oder der kitschfreien, akustischen Ballade 'Looking For Nothing'. Allenfalls die abschließende Ballade 'Now' wirkt auf diesem insgesamt starken Album mit typischem Klavier und Streichern etwas kalkuliert. "Festival" ist ein Album, das man definitiv mehrmals hören muss, um seine Vielseitigkeit wirklich wahrzunehmen. Dann erst stellt man auch Besonderheiten wie ungewöhnliche Klangfarben - vor allem der Gitarre - oder eine unterschwellige, kraftvolle Melancholie fest. --powermetal.de

04.35007 - herd
Album: Loose (in the void we travelled)
Netherlands 1997

Das neue Pferd im "Stickman"-Stall kommt aus Holland, hat aber weder mit Gothic-Metal der Marke THE KÄSERING noch mit Surfpunk irgendwas am Hut. 35007 ist LOOSE spiegelverkehrt - die Welt steht Kopf. "Into The Void We Travelled" also ein Produkt vieler Zutaten, die kräftig durchgeschüttelt wurden? Durchaus. Die Einflüsse reichen hier bis zurück in die frühen Siebziger, HAWKWIND, THIN LIZZY und BLACK SABBATH (allein der Titel!) haben ihre Spuren hinterlassen. Neuzeitlicher, wenn auch kontextgerecht, sind da schon die frappanten Parallellen zu MONSTER MAGNET, KYUSS, MASTERS OF REALITY und MOTORPSYCHO zu "Mountain"-Zeiten. "Vein" als Ruhepol hat seine Position im zentralen Mittelfeld sicher nicht zufällig - davor und danach regiert die Elektrische. Unter voller Ausnutzung des Effektboards wird hier ein solch mitreißender Drogenrockcocktail bereitet, daß man das frühzeitige Ableben obengenannter KYUSS und der Quasi-Nachfolgetruppe SLO-BURN beinahe verschmerzen könnte. Es wabert dermaßen genußvoll, daß Songs auch gerne mal die Sechs-Minutengrenze überschreiten dürfen - man hat schließlich Zeit und läßt sich nicht hetzen. Am Ende stehen 60 heiße Minuten astreiner (Wüsten-) Rockmusik, die im Vorprogramm der winterlichen MOTORPSYCHO-Europatour mit Sicherheit gut aufgehoben ist, um den Massen den Hintern anzukokeln. --Intro.de

05.Helloween - mirror mirror
Album: The Dark Ride
Germany 2000

Pünktlich zum Halloween-Mummenschanz gibt es neues Futter der Hamburger Kürbisköpfe im Form ihres neunten Studioalbums. Nachdem die letzten Scheiben Helloweens viel zu wenig Druck entfalteten, vertraute man dieses Mal auf die Dienste von Starproduzent Roy Z., der kürzlich auch Metal-Gott Rob Halford wieder auf die Sprünge half. Der Überflieger in Sachen Sound ist The Dark Side deshalb zwar noch lange nicht, hören lassen kann sich das Resultat aber allemal. Unter anderem auch deshalb, weil die Hanseaten neben Helloween-typischen Ingredienzen erstmals geschickt mit modernen Soundfragmenten experimentieren. Verbessert hat sich auch Frontmann Andi Deris (Ex-Pink Cream 69), der seinem Vorgänger Michael Kiske zwar wie gehabt nicht das Wasser reichen kann, andererseits aber auch nicht mehr wie ein Fremdkörper wirkt. Wenn ihr mich fragt, dann haben Helloween seit der Keeper Of The Seven Keys-Doublette Ende der Achtziger nicht mehr so stark geklungen. Anspieltipps: der epische, knapp zehnminütige Titeltrack, die Gänsehaut-Hymne "The Departed (Sun Is Going Down)", das schleppend-düstere "Escalation 666" und das wunderbar bombastische "We Damn The Night". --Buffo Schnädelbach

06.Brutality - cryptorium
Album: Screams Of Anguish
USA 1993

Wieder einmal erscheint am DM-Firmament eine Undergroundband aus dem sonnigen Florida mit dem Ziel, die dort etablierten Krachmacher das Fürchten zu lehren. Um mit der Produktion kein Riskio einzugehen, mieteten sich die Fünf das Morrisound-Studio und verpflichteten Jim Morris für die feinfühlige Handarbeit an den Reglern. Doch nicht nur am Sound, der ausgesprochen heavy ausgefallen ist, kann die Herkunft der Band ausgemacht werden. Bei den musikalischen Einflüssen ist in diesen Breiten nicht mehr eindeutig feststellbar, wer von wem abschreibt. Wahrscheinlich hat man sich in diesem Fall von den Morbid Angel-und Manstrosity-Scheibchen der Plattensammlung inspirieren lassen, konnte aber auch genügend andere Einflüsse und persönliche Ideen verarbeiten, um eine eigene Identität nachzuweisen. Die Doublebass-Attacken nageln einem, wie sollte es anders sein, die Trommelfelle an die Gehörgänge. Trotzdem wird nicht durchgängig drauflosgeholzt, daß nach dem Hören das Bedürfnis entsteht, erst mal Doro-Balladen oder Schlimmeres aufzulegen, um das vor die Hunde gegangene Melodieempfinden wieder auf ein normales Level zu bringen. Das heißt, die Leadgitarre hat ihre volle Berechtigung und wird von Don Gates ansprechend, teilweise sehr nostalgisch gezupft. Sollten mich meine schon recht angegrauten Tanzstundenkenntnisse nicht vollends im Stich gelassen haben, dann konnte ich bei 'Exposed To Elements' (Track 7) sogar einen dezenten Dreivierteltakt-Part ausmachen. Wer die Walzergrundschritte beherrscht, sollte bei Gelegenheit mal ausprobieren, ob es mit dem beschwingten Eiiins-zwei-drei klappt. Das Debüt von BRUTALITY ist alles andere geworden als eine stupide Knüppelorgie und wird einigen Lärmcombos aus Tampa und Umgebung den Angst-Schweiß auf die Stirn treten lassen. --RockHard

07.Necrophagist - stabwound
Album: Epitaph
Germany 2004

Es soll ja Musiker (insbesondere Gitarristen) geben, die schon fast im Pyjama Ihres Helden in die gitarrenförmige Koje steigen. Genau diese sollten sich in naher Zukunft mal überlegen, ob sie nicht den Schneider ihres Vertrauens aufsuchen sollten, um sich einen nagelneuen Pyjama der Marke NECROPHAGIST anfertigen zu lassen. Auf dem Heimweg empfehle ich dann noch einen kurzen Besuch im Musikladen, um das eine oder andere Gitarrenlehrbuch als Nachtlektüre einzupacken. Vielleicht darf es aber auch eine große Packung extra weiche Taschentücher sein, um die Tränen über die eigenen mäßigen Fähigkeiten, die einem bei dieser Death-Metal Offenbahrung deutlich aufgezeigt werden, zu trocknen. Es mag sich stark überspitzt anhören, aber was Muhammed Suicmez und seine Mannen hier abliefern ist einfach ein Meilenstein in Sachen Death-Metal. Das Schöne an dem Ganzen ist, dass diese Kombo weder aus dem hohen Norden noch aus den USA stammen, sondern ein Kind aus deutschen Landen sind. So ganz unerwartet dürfte den Gitarrenhexer und Kopf der Band die Lobeshymnen allerdings nicht treffen, denn schon das Debüt (damals noch ohne Deal) "Onset Of Putrefaction" löste eine Schockwelle aus, die die progressive Death-Metal Szene erschütterte. Nach einigen Besetzungswechseln und diversen Live-Shows (darunter das Maryland Deathfest) wurde es hingegen still um Suicmez und NECROPHAGIST. Vor gut zwei Jahren allerdings hat der Meister der Arpeggios begonnen, seine kreativen Fähigkeiten zu bündeln, um an neuen Stücken zu tüfteln. Das Ergebnis ist schlicht ein Meisterwerk, das auf 30 Minuten sowohl höchste musikalische Fähigkeiten konzentriert, als auch ein Höchstmaß an Songschreiberqualitäten aufweist. Dabei spielt es keine Rolle, ob man in atemberaubender Geschwindigkeit übers Griffbrett tappt, ein wahres Drum-Inferno entfacht, oder mit kraftvollen Death-Vokals den Hörer scheinbar in die Knie zwingen will. Die Musiker auf "Epitaph" spielen in ihrer eigenen Liga und lehren selbst den Größen des Genres das Fürchten. Ein Song wie "Only Ash Remains" beinhaltet mehr Riffs, Breaks und aberwitzige Ideen, als manch komplettes Album der Konkurrenz. Zuguterletzt ist "Epitaph" hervorragend produziert, knallt herrlich frisch aus den Boxen und versorgt das staunende Volk obendrein mit sinnigen Texten. Was kann ich zu dieser Scheibe noch sagen? "Epitaph" ist ein Gesamtkunstwerk des progressiven und brutalen Death Metals geworden, welches jedem Anhänger dieser Musik eine Dauerrektion bescheren sollte. Die Tempos sind ja notfalls schon zur Hand. Wofür auch immer. --metal.de

08.Mathyr - thorns of the first dimension
09.Mathyr - nine
Album: Kryos
Germany 2008

Da ja unsere kleine Bandvorstellung als Podcast abrufbar ist, werde ich mich in diesen Zeilen dem 2008er Werk "Kryos" widmen. Dieses ist mittlerweile der 3. Longplayer den die Band geschmiedet hat und auch Derjenige der unter Animated Records vertrieben wird. Man darf Kryos durchaus als Debut bezeichnen, da man den bandeigenen Stil verfeinert und der Metalszene nen kleines Meisterwerk dargereicht hat. Die Mixtur aus Death- & Black Metal-Elementen gibt den Songs dir nötige Frische und Abwechslung mit auf dem Weg. Streckenweise erinnert das Werk sogar an alte Satyricon und Gorgoroth. Was Dank des tollen Arrangements nicht als bloße Kopie daherkommt, sonder durch Individualität glänzt. Die Scheibe bietet selbst nachdem zehnten Durchlauf noch den Anreiz weiter zuhören und das hat heutzutage einen echten Seltenheitswert. Von harschem Geknüppel über straighte Lines bis hin zum deathlastigen Geschrote, wird dem geneigten Zuhörer so einiges geboten. Das ganze wird dann noch durch unbändige Black Metal Vocals und tiefe Growls abgerundet.
Nebst Secrets Of The Moon die zwei Jahre vorher mit Antithesis den Anreiz gaben, mich mal intensiver mit dem deutschen Black/Death Metal auseinander zusetzen, konnte ich mit der Entdeckung von Mathyr ein paar Jahre später ein weiteres Highlight dazu fügen. Bleibt zu hoffen, dass der nächste Longplayer nicht allzu lange auf sich warten lässt. Schließlich hat die Band nach einer bewegenden Bandgeschichte mit vielen Besetzungswechseln endlich ein festes Line-Up gefunden was sicherlich dazu beitragen wird die Messlatte für kommendes höher zulegen. --Tobias

Fazit:
Mathyr und ihr Werk "Kryos" gehören in jede Sammlung derer die sich nicht scheuen Black/Death Metal mit einer progressiven Schlagseite ihr Eigen zu nennen. Anspieltips: Thorns Of The First Dimension, Nine, Equal To Gods (Under A Black Sign)

Konzerte:
11.06.2010 The-Dark-Place-Festival - Tutow, Mecklenburg-Vorpommern

Homepage:
Mathyr

10.The Sweet - teenage rampage
Album: Desolation Boulevard
Great Britain 1974

Bei dem Album "Desolation Boulevard" aus dem Jahr 1974 sprechen wir ganz sicher nicht mehr von einer Teenie-Band ohne musikalische Qualität. Die Zusammenarbeit von Sänger Brian Connolly, Bassist Steve Priest und Schlagzeuger Mick Tucker begann bereits im Jahr 1968, als man die Gruppe Sweetshop gründete. Als diese Formation wenig bis gar keinen Erfolg verzeichnen konnte, stieß im Jahr 1970 der Gitarrist Andy Scott zur Band. Er ersetzte Frank Torpey (es gibt andere Quellen, u.a. Wikipedia, die angeben, dass zwischenzeitlich noch ein gewisser Mick Steward an der Gitarre spielte). Nur ein Jahr später schrieb das Komponistenduo Nicky Chinn und Mike Chapman fortan fast alle Songs für Sweet, während sich Phil Wainman um die Produktionen kümmerte. Daraus resultierten zwar Single-Hits, doch die ernstzunehmende Rockpresse verweigerte der Band die notwendige Aufmerksamkeit und das entsprechende Feedback. Die Stilrichtung wurde in den erfolgreichsten Jahren der Band als Glam Rock bezeichnet, Make-up und Glitzern waren das äußere Erscheinungsbild von Sweet. Da herrschten Vorwürfe, die Band würde sich im Studio guter Musiker bedienen. Ehrlich gesagt, es stimmt nicht. Auf "Desolation Boulevard", dem dritten offiziellen Studio-Album, begann sich das Quartett freizuschwimmen. Dieses Album zeigt erstmals den avisierten Wandel vom chart-orientierten Glam Rock zu kernigem und spielerisch anspruchsvollerem Hard Rock. Für diese Besprechung dient die remasterte Version aus dem Jahr 2005, das Original wies damals insgesamt neun Tracks auf. Lediglich "The Six Teens" und "Turn It Down" stammten noch aus der Feder von Chinn und Chapman. Den überwiegenden Teil schrieben die Musiker von Sweet selbst und bewiesen so erstmals, dass sie wesentlich mehr auf der Pfanne hatten, als bis zu diesem Zeitpunkt von der Rockwelt angenommen wurde. Im übrigen ist der Sound der remasterten Version absolute Spitzenklasse, so manche moderne Produktion könnte sich davon eine Scheibe abschneiden. Zudem kann sich das Bonus-Material sehen lassen. Neun Stücke, die man auf den originalen Alben vergeblich sucht. Da Sweet im Zeitalter der Singles zu Ruhm kamen, hat sich das Label nicht lumpen lassen und einige sog. B-Sides mit auf das Remaster gepackt. So sind insgesamt 75 Minuten Nostalgie entstanden. Was gibt es neben dem Hit "The Six Teens" zu hören? Ein stampfendes "Solid Gold Brass", fernab vom Mainstream, ein hart rockendes "Turn It Down" und ein groovendes "Medussa". In "Lady Starlight" singt Andy Scott die Leadstimme, ein ungewöhnlich sanfter, balladesker Song der Gruppe. Anschließend bekommen wir ein Highlight zu hören. Nicht nur der große Carl Palmer (u.a. Ex-ELP, Asia) nutzte den Gong und andere Utensilien. Sweet demonstrierten ihren Sinn für wirklich starke Rocknummern und Mick Tucker bewies in "Man With The Golden Arm" eindrucksvoll, dass er ein sehr guter Drummer war. "Fox On The Run" kennen die meisten als Single-Version mit dem allseits bekannten Synthie-Intro. In der originalen Version auf dem Album beginnt die Nummer eher schlicht mit einem satten Guitar-Riff. Sweet zeigten nebenbei einen guten Geschmack für Rockhymnen anderer Künstler. "My Generation" von The Who liegt hier als ansprechendes Cover vor. Zum Bonusmaterial habe ich bereits ein paar Ausführungen gemacht. Okay, "Teenage Rampage" ist noch mal eine Hommage an eigene alte Zeiten, in denen die sexy Ausstrahlung der Band wichtiger als die Musik erschien, aber die damalige B-Seite "Own Up, Take A Look At Yourself" hat es wirklich in sich. Das treibende Schlagzeug, die kräftigen Bassläufe und ein vielseitiger Gesang wissen zu gefallen. Aus heutiger Sicht mag man kaum glauben, dass "Burn On The Flame" damals lediglich als B-Seite von "The Six Teens" erschienen war. Der Track geht mächtig nach vorne und richtig ins Ohr. Für mich der klare Favorit der Bonus-Tracks und darüber hinaus einer der besten Songs, die Sweet in ihrer Karriere abgeliefert haben. Nicht besonders anspruchsvoll, allerdings in seinem gesamten Melodieablauf unwiderstehlich. "Desolation Boulevard" beinhaltet also wesentlich mehr, als uns die Kritiker von damals weis machen wollten. Sweet konnten richtig rocken und zeigten auf diesem Album erstmals ihre anderen Qualitäten auf, welche sie auf den Folgealben bekanntlich noch intensivierten. Eine Formation, die sich mit fortlaufender Dauer zu einem guten Rock-Act entwickelte, sich allerdings wegen der eigenen Vergangenheit nie mehr richtig in Szene setzen konnte. Aus heutiger Sicht haben sie allerdings ein paar richtig geile Scheiben eingespielt. --Rocktimes.de


11.Suzie Quatro - 48 crash

Album: Suzie Quatro
Great Britain 1973

Anfang der 1970er Jahre war Suzi Quatro aus Detroit nach England gezogen, weil Mickie Most, Inhaber von "RAK Records", ihr einen Schallplattenvertrag versprochen hatte. Most produzierte 1972 auch die Single "Rolling Stone" mit ihr, die zwar in Portugal Platz 1 der Charts erreichte, weltweit aber ein Flop wurde. Dann kam Most der Zufall zu Hilfe: Das Autorenteam Nicky Chinn und Mike Chapman, das gerade die ersten Hits für die Glamrock-Band "Sweet" geschrieben hatte, spielte ihm die Nummer "Can The Can" vor - und Most beschloss aus Suzi Quatro eine Rockerbraut in Leder zu machen. Nach dem Erfolg von "Can The Can" und der zweiten Single "48 Crash" folgte dann Suzi Quatros erstes Album, das auch einfach nach ihr benannt wurde. Das tragische: Obwohl sieben der zwölf Titel von ihr selbst und ihrem Gitarristen und späteren Ehemann Len Tuckey stammten, waren es immer die Chinn/Chapman-Nummern, die als Single ausgewählt wurden. Neben "48 Crash" war auf dem Album von den beiden Hit-Autoren noch "Primitive Love" genommen - "Can The Can" hatte man nicht mit auf das Album gekoppelt. Abgerundet wurde das ganze mit drei Cover-Versionen, "I Wanna Be Your Man", ein Song, den John Lennon und Paul McCartney schrieben und die "Rolling Stones" zum Hit machten, "Shakin' All Over", im Original von Johnny Kidd + the Pirates und "All Shook Up", ein Elvis Presley-Titel, der dem "King" angeblich so gut gefiel, dass er Suzi nach "Graceland" einlud. Allerdings klingen alle Songs auf diesem Album doch ziemlich ähnlich - vielleicht ein Grund dafür, dass die Platte nur untere Positionen der britischen Album-Charts erreichte und die nachfolgenden Alben überhaupt nicht mehr in die britischen Charts kamen. Suzi Quatro blieb eine reine Single-Künstlerin. --CD Lexikon

12.T-Rex - children of the revolution
Album: Children of the Revolution
Great Britain 2005

Es ist nicht immer leicht sogenannte Sampler von Marc Bolan/T.Rex zu bewerten. Oftmals sind solche Compilations lieblos zusammengeschustert und auch in ihrer Klangqualität sehr unterschiedlich. Bei dieser im Spätsommer 05 erschienenen Doppel-CD fällt ein Urteil doch sehr leicht. Zusammengestellt von Dr. Robert(Blow Monkeys), der auch die Innersleve-Notes verfasst hat bietet sich ein guter Einstieg in Bolan's Werke. Hier werden Hits,genau wie Schlüsselwerke der Alben Slider, Tanx, Zinc Alloy, Futuristic Dragon, Zip Gun u.Dandy in the Underworld angeboten. Ausserdem fehlen auch nicht einige B-Sides und 2,3 Raritäten. Die Songauswahl ist insofern hervorragend, auch an der Tonqualität gibt es nichts, aber auch gar nicht auszusetzen. Einziges Manko dieser sehr schönen Zusammenstellung ist das Fehlen der Bolan-Frühwerke. Ich denke aber, dass Lizendgründe dafür ausschlaggebend sind. Insgesamt gilt es jedoch einen der wichtigsten Musiker des U.K. ab 1972 bis zu seinem viel zu frühen Ableben 1977 kennenzulernen. Eine Doppel-CD zu diesem Preis ist insofern ein absolutes Muss für alle, die Marc Bolan (nochmals) erleben wollen. Ich bin mir sicher, der Käufer dieser Zusammenstellung wird und muss sich wie der gute Dr. Robert einfach als Bolan-Fan outen.
Ich bin, bleibe es jedenfalls für immer und mit dieser Zusammenstellung ist es mir bereits öfter gelungen Kritiker und Nichtwissende zu überzeugen.
--Amazon


13.The Darkness - one way ticket

Album: One Way Ticket To Hell... And Back
Great Britain 2005

Das beste Classic-Rock-Album seit Jahren? Vermutlich. Die beste Queen-Scheibe, die Freddie Mercury & Co. nie geschrieben haben? Wahrscheinlich. Die humorigsten Texte und der coolste Plattentitel des Jahres? Mit Sicherheit! Es ist so weit: THE DARKNESS sind zurück! Und wie. Leute, die sich schon mit dem platinveredelten Debüt „Permission To Land“ nicht anfreunden konnten, werden erneut ihre Probleme mit der Band haben; Fans und Freunde des Quartetts werden jedoch Zeuge eines enormen Qualitätssprungs, den THE DARKNESS in puncto Songwriting vollzogen haben. Unter der Regie von Star-Producer Roy Thomas Baker (Rolling Stones, Ozzy, Cheap Trick, Foreigner, Queen) haben die Shooting-Stars ihr Repertoire um neue Klangfarben erweitert, exotische Instrumente und aufwändige Arrangements benutzt, um ihren Songs zusätzliche Tiefe zu verleihen. Typische Rocker wie die erste Single ´One Way Ticket´, ´Knockers´ oder ´Is it Just Me?´ wechseln gekonnt mit Balladen (´Seemed Like A Good Idea At The Time´, ´Blind Man´) und stilistischen Extravaganzen à la ´English Country Garden´ oder ´Hazel Eyes´ - und trotz dieser Vielfalt klingt die Scheibe wie aus einem Guss. Hier steht nicht der einzelne Song, sondern das Album als Ganzes im Vordergrund, und vor allem unter dem Kopfhörer bietet „One Way Ticket To Hell... And Back“ bei jedem Durchlauf tonnenweise neue Nuancen. Schade nur, dass die Spielzeit ein wenig knapp bemessen ist. Oder sollte auch das zum Konzept des UK-Vierers gehören? Eine kurze Platte, die deshalb umso öfter gehört wird und sich dementsprechend schnell in die Gehörgänge frisst? Ein Schuft, der Böses dabei denkt. Aber bei dieser Band ist alles möglich. Und das ist gut so! --RockHard

14.Arcturus - kinetic
Album: The Sham Mirror
Norway 2002

Es wird ja immer über den ach so hohen Anspruch, über die unglaublichen technischen Finessen, über angebliche Götter an ihren jeweiligen Instrumenten und über grandiose kompositorische Meisterleistungen schwadroniert, wenn es um Progressive-Rock/Metal geht. Dabei jubilieren die entsprechenden Schreiber gar nicht über Bahnbrechendes und unerhört Neues, sondern über kalten Kaffee, über gleichermaßen unnötige wie auch ewiggestrige Frickeleien. Was, bitteschön, soll an dem andauernd gleich klingenden Endloszeug von Bands wie Dream Theater oder an Schwulstbombast wie Blind Guardian progressiv sein? Ich habe ja nix gegen diese Bands, aber sie werden als das verkauft, was sie gar nicht sind. Diese Gruppen sind nicht die Zukunft guter Musik, sondern sie verkörpern die Vergangenheit. Die erfrischendste, farbigste und im wahrsten Sinne des Wortes progressivste Zukunftsmusik der letzten Monate kommt aus Norwegen. ARCTURUS, vor allem der Projektkopf Garm (alias Trickster G. Rex), haben seit ihrem letzten Longplayer ?La Masquerade Infernale? eine Menge in puncto Komponieren dazugelernt. Dieses (keinesfalls schlechte, aber im Laufe der Jahre überbewertete und grundlos mystifizierte) Album war noch zu sehr auf Schein als auf Sein ausgelegt. So scheiterten die Musiker an dem Vorhaben, Bombast in songschreiberische Spannung zu verwandeln. Stattdessen wurde es zu oft Kitsch - und geriet zu ausladend, da man nicht in der Lage war, alles Unwichtige aus den Songs zu verbannen. ?The Sham Mirrors? ist ebenfalls bombastisch. Große Gitarrenriffs, wahnwitzige Soli, schwülstige Keyboardteppiche, klug eingesetzte Samples, grandioses Drumming (Hellhammer), die magnetische Stimme Garms sowie der markante Gastgesang von Emperors Ihsahn - jeder Bestandteil ist ein perfekt konzipierter Gourmethappen. Dieses Album hat alles. Es beschreibt große Gefühle, es enthält grenzenlos schöne Musik - von der Klassik über den Einfluss der Siebziger bis hin zu den schwarzmetallischen Wurzeln der Protagonisten. Progzeug ist tot. Lang leben ARCTURUS! --RockHard

15.Dodheimsgard - vendetta assassin
Album: Supervillain Outcast
Norway 2007

In den 90ern des letzten Jahrhunderts betraten Dodheimsgard die Bühne und entwickelten ihre eigene Vorstellung von Black Metal, die am besten unter Avantgarde Black Metal einzuordnen ist. Doch ist es in den letzten Jahren ruhig um die Band geworden. Ob man seit 1999 an dem Nachfolger von "666 international" gearbeitet hat oder sich eine Auszeit gegönnt hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Das neue Schaffenswerk "Supervillain Outcast" setzt jedenfalls den Weg der Weiterentwicklung fort. Die Musiker bieten geschickt eingewobene orientalische Melodien in klinisch-kaltem Black Metal Soundgewand. Dabei reicht das vertretene Spektrum von traditionellen Phasen bis in abgedrehte Elektro-Industrial Klangkammern. An seinen stärksten Stellen erinnert das Album an Satyricons "Now Diabolical", wie beispielsweise "Apocalypticism", dieser Song ist für mich definitiv das absolute Highlight des Silberlings, beweist. Ist schon etwas her, dass mich ein Song derart mitgerissen hat, ebenso wie "The Snuff Dreams Are Made Of" und das forsch lospreschende "Horrorizon". Die Stilmittel, die das ungewöhnliche Album ausmachen, sind hohe, maschinell quietschende Töne und technische Soundfragmente, wie ein Echolot. Solche Experimente sind aber nicht ohne Risiko, denn die Geister die man rief können auch schaden. Dass Licht auch Schatten wirft, das dürfte mittlerweile bekannt sein. Im Schatten verschwinden kann dann auch gleich "Foe X Foe". Hier wird es mit Samples und abgedrehten Ideen masslos übertrieben. Letztlich wähnt man sich eher in einem verunglückten Zusammenschnitt eines Geisterbahnbesuchs, sofort vergessen. Aber das ist nicht der einzige Beweis dafür, dass man sich seine Songs vor lauter Innovation auch zukleistern kann. Die verzerrten orientalischen Töne in "The Vile Delinquents" versauen das Stück regelrecht. Bei "All Is Not Self" hat man es dann endgültig übertrieben. Zeitweise fühlt man sich hier wie versehentlich an eine Elektro-Gothic-Scheibe geraten, noch schneller als sofort vergessen. Als Wetterlage würde man die Momentaufnahme des Wandlungsprozesses der Band als durchwachsen bezeichnen, was sich entsprechend in der Wertung niederschlägt. --schwermetall.ch

16.Ulver - it is not sound
Album: Blood Inside
Norway 2007

Wenn eine Formation die Bezeichnung „innovativ" wirklich verdient, dann sind es die Norweger ULVER. So erfand man sich auf jeder Veröffentlichung selbst neu und überraschte den geneigten Hörer von Mal zu Mal. Die Metal-Einflüsse legte man zwar nach „The Marriage Of Heaven And Hell" gänzlich ab, was ULVER allerdings nicht daran hinderte, weitere hochkarätige Veröffentlichungen abzuliefern. Da seit „Perdition City" eigentlich nur noch MCDs und Soundtracks erschienen, ist „Blood Inside" der eigentliche Nachfolger des genannten Albums. Der Hauptunterschied zum Vorgänger ist sicherlich der vermehrte Einsatz von Gesang, so gab es auf „Perdition City" abgesehen von zwei Songs nur Instrumentalstücke, während auf „Blood Inside" alle Songs Gesang beinhalten. Wer die herausragende Stimme von Trickster G. kennt, wird diese Tatsache sicher zu schätzen wissen. Das bedeutet jetzt aber nicht, dass man sich auf „Blood Inside" gängigen Strophe-Refrain-Schemata angepasst hat und in Richtung Massenkompatibilität schielt. Keineswegs, denn obwohl die Musik auf „Blood Inside" natürlich viel relaxter als auf den Black Metal-Werken der Anfangstage ausgefallen ist, geben sich die Wölfe im Bezug auf Anspruch kompromisslos wie eh und je. Eine Beschreibung der Musik fällt ziemlich schwer, man muss die Musik von ULVER einfach anhören, um einen Eindruck davon zu bekommen. Verschiedenste musikalische Einflüsse, von Jazz über Industrial bis Ambient werden gekonnt miteinander vermengt und bilden für mich eines der musikalischen Highlights dieses Jahres. --Aon

17.Enslaved - entroper
Album: Ruun
Norway 2006

Kaum eine andere Viking Metal Band konnte nicht nur mich über all die vielen Jahre stets mit neuen und vor allem außergewöhnlichen Alben fesseln wie ENSLAVED. In diese ruhmreiche Reihe von wirklich herausragenden Veröffentlichungen schließt sich der neueste Opus "Ruun" nahtlos an. Die Norweger sind einfach ein Garant für anspruchsvollen Black/Viking Metal und stehen wie ein Fels in der Brandung. Nicht umsonst können ENSLAVED auf zig Nominierungen für angesehene Musikpreise zurückblicken, ebenso wie auf eine feste und ergebene Fanbasis. Nun liegt also mit "Ruun" bereits der neunte (Thors-)Hammer vor, welcher ebenfalls wieder ein wenig Entwicklung in wohldosierter Form zeigt. Schließlich hat sich die Band stets weiterentwickelt, von den rohen und räudigen Anfangstagen über die epischeren Alben bis hin zu fast schon progressiv anmutendem Viking Metal. Erneut legen die Nordmänner um Grutle und Ivar eine unglaublich professionelle und "erwachsene" Veröffentlichung vor, fernab von derzeit angesagten Klischees und Trends, dafür aber von hoher Qualität. Der Gruppe ist es gelungen, ein anspruchsvolles Werk zu schaffen, welches auf der einen Seite die Brücke zur Vergangenheit schlägt und dadurch traditionell wirkt, andererseits allerdings auch wiederum neue Facetten aufzeigt. So werden wie auf dem Vorgänger "Isa" wieder diese klirrenden Gitarrenriffs und Grutles sehr rauer Kreischgesang verwendet, während man auch an den Prog-Elementen festhält. Alle nur erdenklichen Tempi (abgesehen von purer Raserei wie zu Urzeiten) werden gekonnt unter einen Hut gebracht. Es finden sich die epischen, teilweise verspielten und betörenden Gitarrenlinien wie auch die Orgeln, sphärische Folk- und Tastenklänge, Gitarrensoli und der herausragende klare Gesang wieder. Die intelligenten Kompositionen weisen indes noch eine starke Langzeitwirkung auf. "Ruun" ist fesselnd und fordernd zugleich, verbindet Disharmonien mit Harmonien und besticht durch tiefe Dramatik und atmosphärische Dichte. Die einzelnen Stücke sowie die Platte als Ganzes wirken in sich geschlossen, ruhig und erhaben, gleichzeitig auch aufbrausend und vor allem variabel, abwechslungsreich. Spielend verbinden sich Elemente aus dem Prog Rock, Black Metal, Viking Metal und Heavy Metal zu einer Einheit. ENSLAVED sind damit ihren Schaffensweg wieder einmal kontinuierlich weitergegangen und haben sich selbst mit diesem Kunstwerk (denn nichts anderes ist "Ruun") ein weiteres Denkmal gesetzt. Der Hörgenuss wird durch die gelungene Produktion, welche transparent, klar und doch druckvoll ist, weiter verstärkt. Ein innovatives Album, dessen unglaubliche Größe sich vielleicht nicht gleich nach den ersten Hördurchläufen erschließt, dafür aber umso länger anhält und keinen Fan der Band enttäuschen sollte. --metal.de

18.Van Canto - kings of metal
Album: Hero
Germany 2006

Der Beweis, dass Metal auch ohne Strom funktionieren kann A-Capella-Metal... Als VAN CANTO zu Beginn des vergangenen Jahres ihren Erstling "A Storm To Come" unter die Menge mischte, wurden die Süddeutschen erst einmal richtog skeptisch beäugt. Chöre statt Gitarren? Gesang statt Bass? Metal ohne Strom? Geht das überhaupt? Ja, es geht bzw. ging und brachte der Band auch relativ flott den Pionierstatus ein, den sich die Herren mit dem überzeugenden Material und der außerordentlich originellen Idee redlich verdient hatten. Anderthalb Jahre später geht die Band jetzt noch einen Schritt weiter. Wieder hat man das erprobte Schema bemüht, wieder wurden zehn Nummern nur mit Gesang und Drums aufgenommen. Doch dieses Mal ist es nicht bloß bei einem knappen Dutzend Eigenkompositionen geblieben. Statdessen wagen sich VAN CANTO an einige echte Schwergewichte aus der traditionellen Metal-Schiene heran und stellen sowohl sich als auch Kritiker und Fans vor eine harte Probe. Denn, wer sich an Stücken wie 'Fear Of The Dark' und 'The Bard's Song - In The Forest' versucht, der muss sich eventuell auf scharfe Kritik einstellen. Schließlich gibt es nicht viele Nummern, die so eng mit ihren Urhebern verküpft sind wie die Originale von IRON MAIDEN und BLIND GUARDIAN. Allerdings lösen VAN CANTO diese Aufgabe richtig ordentlich. Es ist zwar gewöhnungsbedürftig, die Frauenstimme in den ruhigen Passagen von 'Fear Of The Dark' aufzunehmen, aber gerade beim superben BLIND-GUARDIAN-Unplugged-Stück fühlt man sich in der Neuinterpretation sofort heimisch. VAN CANTO belassen es aber nicht bei diesen beiden Stücken. AUch DEEP PURPLES 'Stormbringer' bekommt eine A-Capella-Frischzellenkur, bleibt darin aber recht unauffällig, wenn auch gut. Anders schaut es schon bei 'Wishmaster', im Original bekanntlich von NIGHTWISH, aus: Hier kann der Gesang einfach nicht mit dem Original mithalten und fällt dagegen ab. Fast schon im Schatten all dessen steht der MANOWAR-Gassenhauer 'Kings Of Metal', dessen gesangliche Untermalung fast schon etwas von einem Fun-Projekt hat. Aber es ist schon interessant, wie Klischees in diesem Fall mit Humor genommen und ganz witzig verarbeitet werden. Bei all der zitierten Prominenz sollen die neuen Eigenkompositionen aber keinesfalls unter den Tisch fallen, zumal sie wirklich richtig stark sind. Schon der Opener 'Speed Of Light' (nein, kein STRATOVARIUS-Cover) geht prächtig in die Ohren, 'Pathfinder' ist ein weiterer Ohrwurm und 'Take To The Sky' mit seinen vielen einprägsamen Parts sicher ein Kandidat für einen künftigen Gassenhauer. Daher stellt sich natürlich die Frage, warum VAN CANTO sich eigentlich so stark auf fremdes Material berufen, wo in ihnen doch ein gehöriges, kompositorisches Talent schlummert. Nicht dass hier irgendein Song (abgesehen vielleicht von 'Wishmaster') nur im Ansatz Richtung Durchschnitt tendiert; aber bei den vorhandenen Anlagen und dem innovativen musikalischen Ansatz stehen der Band auch ohne fremde Schützenhilfe alle Türen offen. Sei's drum, "Hero" ist auf jeden Fall ein richtig starkes Album geworden, welches das Gros der Melodic-Metal-Konkurrenz auch ohne Gitarren an die Wand bläst. Es wäre jedenfalls nicht verwunderlich, wenn VAN CANTO bereits in naher Zukunft ganz groß rauskommen werden. --powermetal.de

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