Playlist:
01 Mors Principium Est - the oppressed will rise
02 Ihsahn - a grave inversed
03 Orphaned Land - barakah
04 Finntroll - solsagan
05 Summoning - long lost to where no pathway goes
06 Tyr - hold the heathen hammer high
07 Voivod - the x-stream
08 In Morpheus' Arms - reality
09 In Morpheus' Arms - pandemonium pt. III
10 Diamond Head - am i evil
11 Blitzkrieg - blitzkrieg
12 Saxon - denim and leather
13 Iron Maiden - the number of the beast
14 Solstafir - she destroys again
15 Shining - fisheye
16 J.B.O. - ein bischen frieden
01.Mors Principium Est - The Oppressed Will Rise
Album: Termination = Liberation
Finland 2007
Mit dem Vorgänger "The Unborn" haben die Finnen von MORS PRINCIPIUM EST die Messlatte für sich selbst und den Nachfolger des erwähnten Killerwerkes extrem hoch gelegt. So überrascht es keinesfalls, dass die neue Scheibe der Finnen, die schon immer eher nach Schweden geschielt haben, das Niveau des Vorgängers nicht über die volle Spielzeit halten kann. Schade, schade, schade, aber bei weitem kein Beinbruch. Dafür ist das Sextett auch auf Album Numero drei einfach zu gut.
Hoch anrechnen muss man ihnen weiterhin den Mut, in einem solch ausgelatschten Genre wie dem Melodic Death Metal, das sich seit Jahren nur noch selbst reproduziert, immer innovative Kniffe einbauen zu wollen, ohne sich selbst zu kopieren. So auch auf "Termination = Liberation". Reibt man sich zu Beginn von "The Animal Within" noch wegen des astreinen Dancefloor-Beginns mit weiblichen Vocals verwundert die Ohren, bricht nach 15 Sekunden ein extrem heftiges Death/Thrash-Brett über einen herein, das immer wieder mit verspielten Breaks durchsetzt ist und auch nach 20 Durchläufen immer noch zu heftiger Mattenrotation einlädt. Genau so kann man einer stagnierenden Musikrichtung ihre Frische zurückgeben. Voraussetzung: Man darf keine Scheuklappen tragen.
Hinzu kommen in Form von "The Oppressed Will Rise", "Cleansing Rain", "The Distance Between" und dem Quasi-Titeltrack "Terminal Liberation" ohrwurmige, einprägsame Hits, die geschickt das beste von SOILWORK bis DARK TRANQUILLITY, von rasend knüppelnd bis hymnisch getragen mit einer eigenen, brachial-melodiösen Note versehen, die Spaß macht. Bis hierhin ist "Liberation = Termination" also das erwartet fette Highlight und seinem Vorgänger absolut ebenbürtig. Doch leider haben sich erstmals in der Bandgeschichte auch Stücke auf den Silberling geschlichen, die zwar jeder Otto-Normal-Combo zur Ehre gereichen würden, aber für MPE-Verhältnisse nicht recht zünden wollen oder nur Stückwerk bleiben. So knüppelt ein "Finally" unmotiviert und ohne Spannungsbogen von vorne bis hinten durch, während das Instrumental "Forgotten" zu keiner Zeit auf den Punkt kommt, "Sinners Defeat" nie die erwartete Hookline liefert und "It Is Done" den Fan aufgrund seiner vielen Breaks unschlüssig zurücklässt. --metal.de
02.Ihsahn - a grave inversed
Album: After
Norway 2010
IHSAHN ist nicht EMPEROR. IHSAHN ist nicht EMPEROR. IHSAHN ist nicht EMPEROR.
Dies ist – angesichts des vorliegenden dritten Albums des ehemaligen EMPEROR-Frontmannes – ein zwar spätes, aber vielleicht hilfreiches Mantra für all diejenigen, die den ersten beiden Alben "The Adversary" und "AngL" mit falschen Erwartungen begegnet sind und deshalb scheitern mussten.
Dieses Mantra erhält nun zusätzliche Gültigkeit, denn "After" klingt wieder etwas anders als seine Vorgänger. Das liegt nicht nur daran, dass IHSAHN erstmals achtsaitige Gitarren spielt; es liegt nicht nur daran, dass die Produktion des Albums unglaublich viel kraftvoller, aber immer noch transparent wie Glas klingt.
Es liegt vor allem an der Stimmung, die IHSAHN auf "After" eingefangen hat. Die acht Songs klingen kalt, distanziert, anorganisch. Selbst kurze Ausbrüche von Aggression, wie zum Beispiel im zweiten Song "A Grave Inversed", klingen fern und unnahbar. Und was soll ich sagen? "After" funktioniert von vorn bis hinten. Sicherlich nicht direkt im ersten Durchlauf – hierin steht "After" in der Tradition seiner Vorgänger – aber spätestens bei der dritten oder vierten Rotation nehmen die Songs den Hörer gefangen.
Ein Aspekt des Albums, der ohne Zweifel mit der anders angelegten Atmosphäre zusammenhängt, ist, dass IHSAHN die Langsamkeit entdeckt hat, ihr eine größere Bedeutung zumisst. Eine Ausnahme stellt hier der bereits genannte Song "A Grave Inversed" dar, die restlichen Stücke bewegen sich jedoch eher in gemäßigten Geschwindigkeits-Breiten. Die Dynamik geht dabei mitnichten verloren, in den Genuss abgefahrener Griffbrett-Artistik kommt der geneigte Hörer auch, insgesamt wirkt "After" jedoch sehr ruhig – passend zur Kälte, die dem Album innewohnt. Mit "Austere" findet sich sogar so etwas wie eine "Ballade" – sofern man diesem Begriff im Progressive Black Metal eine Bedeutung geben will – die mit Hammond-Orgel und vocodiertem Bass ein wenig an OPETH erinnert.
Apropos OPETH: Mikael Åkerfeldt ist dieses Mal NICHT dabei – dafür hat IHSAHN mit Jørgen Munkeby (SHINING (NOR))einen neuen Duett-Partner gefunden. Am Saxophon. Ja, ich habe auch im ersten Moment eine Augenbraue gehoben – aber das Saxophon klingt einfach fantastisch! Mal erinnert es an ULVERs "Perdition City", mal an das Solo-Projekt des MESHUGGAH-Gitarristen Fredrik Thordendal. Unfassbar!
Und wenn wir gerade von Gast-Musikern sprechen, möchte ich auch Bassist Lars K. Norberg und Drummer Asgeir Mickelson (beide SPIRAL ARCHITECT) nicht unerwähnt lassen, die – wie schon auf den Vorgängern – ganz hervorragende Beiträge liefern.
IHSAHN ist es also mit seinem dritten Album "After" gelungen, sich noch ein weiteres Stück von seiner Vergangenheit zu emanzipieren und ein in jeder Hinsicht gelungenes, kurzweiliges und bewegendes Album zu veröffentlichen, das mich – wie schon "The Adversary" und "AngL" – noch sehr lange begeistern wird und schon jetzt heißer Anwärter auf den Titel "Album des Jahres" ist.
Für EMPEROR gilt jedoch eher der Refrain des Titelsongs: "This is the after – and nothing transcends!" Und wer das jetzt immer noch nicht begriffen hat, schreibt den Eingangssatz hundert Mal! --Falk/Metal.de
03.Orphaned Land - barakah
Album: The Never Ending Way Of ORwarriOR
Israel 2010
Vor nun mehr 19 Jahren wurden im fernen Israel ORPHANED LAND von Frontmann Kobi Farhi aus dem trockenen Boden um Petah Tikva, einer der größten Städte des Landes, gestampft. 1994 erblickte das Debüt „Sahara“ das Licht der Metalwelt und konnte auch über die Landesgrenzen hinaus für Aufmerksamkeit sorgen. Es folgte mit „El Norra Alila“ die letzte Scheibe für Holy Records, ehe die Israelis sich aus den zahlreichen Angeboten – unter anderem von Nuclear Blast und Century Media – für einen Vertrag bei letzterer Plattenfirma entschieden. Das Label mit Sitz in Dortmund fand Gefallen an der progressiven Mischung aus (Melodic) Death- und Doom Metal, gepaart mit orientalischen Einflüssen, und veröffentlichte deshalb 2004 ORPHAND LANDs Label-Einstand „Marbol“, der in der nationalen und internationalen Fachpresse in höchsten Tönen gelobt wurde. Nicht gerade klein waren die Erwartungen nun deshalb an den neuesten Export aus Israel, der auf den Namen „The Never Ending Way Of ORwarriOR“ getauft wurde.
Wieder mit allerhand traditionellen Instrumenten aus dem Nahen Osten im Schlepptau, hat sich die Truppe dieses Mal Steven Wilson (Opeth, Porcupine Tree), der gleich noch einige Keyboard-Passagen beisteuerte, für die Produktion und Veredelung des neuen Silberlings ausgesucht. Wer schon ein wenig in die Materie ORPHANED LAND eingedrungen ist, vermutet es ohnehin und allen anderen sei zum besseren Verständnis der Scheibe gesagt, dass es sich auch hierbei wieder um ein Konzeptalbum handelt.
All das nimmt mit dem Opener „Sapari“ (im vergangenen Dezember schon als Single-Auskopplung erschienen) langsam aber sicher seinen Lauf. Darauf folgt das Rauschen eines Kurzwellensenders, ehe Shlomit Levi, seit 2004 Session-Sänger und optisches Aushängeschild der Band, mit ihrer glasklaren Stimme und orientalischem Gesang einsetzt - „The Never Ending Way Of ORwarriOR“ nimmt Fahrt auf. Dem Gesang von Levi in nichts nachstehend stellt auch Frontmann Kobi sein Stimmvolumen eindrucksvoll unter Beweis. Dass er auch anders kann zeigen seine Growls, die noch ein Stück akzentuierter, kraftvoller und eindringlicher als auf dem Vorgänger daherkommen und eine perfekte Symbiose mit der ebenfalls sehr rhythmischen Arbeit der Gitarrenfraktion eingehen. Die zaubert sich von orientalisch klingenden Leads und Soli, die teilweise an an Suidakra aus dem Nahen Osten erinnern (vor allem beim Song „From Broken Vessels“), über perfekt arrangierte Akustik-Parts bis hin zu grooven Riff-Attacken.
Und weils letztendlich die Mischung macht, wechseln sich all diese Elemente mit traditionellen Instrumenten wie der Saz, Bouzouki und Oud ab, treffen auf intelligent platzierte Chorgesänge und treibende Percussion- bzw. Schlagzeugarbeit. Avi Diamond, der Mann an den Drums, nimmt während „The Path Part 1 – Treading Through Darkness“ erst Fahrt auf und zeigt mit treibenden Blasts bei „The Path Part 2 – The Pilgrimage to Or Shalem“ was alles in ihm steckt - und um zusammen mit Kobi ein weiteres Highlight der Scheibe abfeiert.
Bald darauf beweisen ORPHANED LAND mit „The Warrior“ Gespür für ein beachtliches Maß Epik, von dem sich all die weichgespülte Epic- und Power Metal-Jammerlappen aus Deutschland und Skandinavien eine ordentliche Portion abschneiden dürfen. Passend zum Titel entsteht hier beinahe schon eine orientalische Metal-Oper, die Ihresgleichen ganz gewiss sucht. Über die deutlich progressiveren „New Jerusalem“ und „Vayehi Or“ fiebert „The Never Ending Way Of ORwarriOR“ dann unaufhaltsam seinem absoluten Höhepunkt entgegen: „Codeword: Uprising“. Eine derart perfekte Kombination aus Groove, sanftem Gesang und einer unglaublichen dichten Atmosphäre darf man im folkloristisch angehauchten Metal wirklich verdammt lange suchen – und ORPHANED LAND liefern sie hiermit in höchster Güte.
Wenn euch die Folk Metal-Vertreter aus Skandinavien langsam aber sich auf den Sack gehen und ihr nichts dagegen habt, durchaus auch mit ernsthafteren Themen als "Bier und Party" konfrontiert zu werden, riskiert stattdessen ein Ohr in „The Never Ending Way Of OrwarriOR“. Aber lasst euch Zeit dabei, hört die Scheibe erst fünf, dann 10, dann 15 Mal, denn: Man läuft schnell Gefahr, das Gesamtbild aus den Augen zu verlieren, weil praktisch jeder einzelne Song ein kleines Meisterwerk für sich ist.
Die Israelis beeindrucken und überzeugen mit ihrer Mischung aus (Melodic) Death und Doom, gepaart mit den ihnen vertrauten traditionellen Instrumenten, die einen orientalischen roten Faden durch die gesamten 78:18 Minuten Spielzeit ziehen. --www.metal1.info
04.Finntroll - solsagan
Album: Nifelvind
Finland 2010
Was tut eine Band wie FINNTROLL, wenn sie mit "Nattfödd" bereits ein mit Hits vollgepacktes Album veröffentlicht hat, das in dieser Art nicht mehr zu toppen ist? Was tut sie, wenn sie wie mit "Ur Jordens Djup" verstärkt auf Soundtrack-Collagen gesetzt hat, während aus aller Herren Länder Bands auftauchen, die im eigenen Vorgarten wildern? Eine Möglichkeit: Sich einfach nicht beirren lassen, neue Songs schreiben und ein neues Album aufnehmen. Dann aber sollte die Scheibe schon die Qualitäten von "Nifelvind" aufweisen. Ein kurzer Rückblick: Vor drei Jahren veröffentlichten FINNTROLL "Ur Jordens Djup" und mussten einerseits aus oben genannten Gründen neue Wege einschlagen, andererseits (wieder) einen neuen Sänger integrieren – was im Rückblick gut geklappt hat. Nun heißt es aber, die Konkurrenz im Zaume zu halten, und das wäre bei einer erneuten Kurskorrektur wohl nicht geglückt. "Nifelvind" besinnt sich also auf die Stärken der einzelnen Songs und klingt wesentlich homogener als "Ur Jordens Djup", ohne auf dessen neugewonnene Klangfarben zu verzichten. Kurioser Umstand am Rande: Obwohl Live-Keyboarder Virta mittlerweile zum festen Mitglied bei FINNTROLL aufgestiegen ist und auch bei den Aufnahmen mit dabei war, sind auf "Nifelvind" doch weniger Keyboards zu finden als auf dem Vorgänger. Was sich im Intro "Blodmarsch" indes noch nicht zeigt: Bedrohlich und witzig zugleich klingen die Klangcollagen, majestätisch und heroisch, und ein gelungener Auftakt zu "Solsagan". Ein Stück, das mit seinen sägenden Gitarren und dem blastenden Schlagzeug zunächst schwarzmetallisch unterwegs ist, dann die für FINNTROLL so typischen Zutaten auffährt. Bestechend und mitreißend zugleich. "Den Frusna Munnen" und "I Trädens Sång" beziehen ihren Reiz aus dem Zusammenspiel von Gitarren und Keyboards, während "Ett Norrskensdåd" auf einer dieser geliebten folkloristischen Melodien basiert. Das gilt auch für "Tiden Utan Tid", wenngleich das Stück doch wesentlich düsterer ist. "Galgasång" wiederum ist ein komplett akustisches Lied mit Klargesang und Banjo (scheint in Finnland gerade groß in Mode zu sein – siehe ENSIFERUM). Genau der richtige Kontrast zum stampfenden "Mot Skuggornas Värld" – nicht nur hier zeigt sich, dass Sänger Vreth zunehmend über das für diese Musik richtige Grollen in der Stimme verfügt – das war für mich noch einer der Kritikpunkte auf dem Vorgängeralbum. Einziger Kritikpunkt an "Nifelvind": Das allzu sehr auf Mitschunkeln getrimmte "Under Bergens Rot" will mir in seiner Direktheit nicht so sehr gefallen wie die restlichen Stücke. Dass diese nach mehrmaligem Hören ihre Wirkung nicht verlieren, ist wiederum ein großer Pluspunkt von "Nifelvind". Kurzum: FINNTROLL können mit ihrem neuen Album ein weiteres Mal überzeugen, was vor allem an der Güte der einzelnen Songs liegt. So große Veränderungen in eine neue Richtung (wie auf dem letzten Album) sind diesmal zwar nicht zu verzeichnen, aber die Band spielt souverän all ihre Stärken aus. Und all die possierlichen Gesellen, die sich in der Zwischenzeit auf alten Lagerplätzen breitgemacht und dort ihre Feste gefeiert haben, werden wieder zurück in den Wald gescheucht und müssen nun zusehen, wie Trolle richtig feiern. --metal.de
05.Summoning - long lost to where no pathway goes
Album: Stronghold
Austria 1999
Ah, SUMMONING, die Meister des Majestätischen. Die konzeptuelle Diskographie dieser Beiden ist beinahe so stattlich wie die Schriften Tolkiens, die das geistige Rückgrat ihrer Songs bilden. Ebenso beeindruckend ist die Fähigkeit der Band, die epischen Bilder zum Leben zu erwecken, von denen der Professor in seinen Geschichten über Mittelerde sprach. Mit "Stronghold" haben SUMMONING ihre Black-Metal-Haut praktisch abgelegt, obwohl die alten Narben immer noch auf dem Fleisch erkennbar waren. Der Opener "Rhun" macht passend den Weg frei für "Long Lost To Where No Pathway Goes". Dieses Mirakel an Melancholie wird getragen von einem wirklich klagenden Keyboardmotiv, das nur von der Gitarre aufgelockert wird. Sie bringt ein Argument für die Hoffnung, das sich gegen die schmerzdurchsetzten Vocals kaum zu halten vermag. Der verzweifelte Refrain fügt Bombast zur Freudlosigkeit hinzu, bevor der Song mit einem gletscherhaften Gitarrenrefrain endet. Was diesen Musikstil angeht, wird es nicht viel besser als mit "Long Lost......" Die Emotion ist tief in "Stronghold" verwurzelt, obwohl sie nicht immer auf dem Negativen beruht und somit von der Ambivalenz von "Like Some Snow White Marble Eyes" bis zum relativ erhebenden "Where Hope And Daylight Die" reicht, welches trotz dem trostlosen Titel ein Song über die Rückkehr ist. Laßt uns bei diesem Track verweilen, um den starken (und ausschließlich) weiblichen Gesang anzusprechen. Ich war mir für geraume Zeit nicht sicher, ob hier eine junge Maid schmachtend singt oder ein Teil des Duos seine Falsett-Talente darbietet. Nur durch einen Besuch auf der Website der Band konnte ich mir Klarheit verschaffen. Wie dem auch sei, die Sängerin klingt wie eine Amazone und wird durch einen heftigen Gitarrenrefrain und gelegentliches Sechssaitertuckern unterstützt. Trotz der hauptsächlichen Nutzung von Synthesizern werden die Gitarren gut eingesetzt und überhaupt nicht in den Hintergrund gedrängt. Tatsächlich werden sie oft genutzt, um die skurrileren Keyboardpassagen miteinander in Verbindung zu bringen. Die Gitarren sind ebenfalls sehr ausdrucksstark und besitzen einen wunderbaren Klang, den es in Reinform auf "The Loud Music Of The Sky" zu hören gibt, wo sie wie eine Biene mit brennendem Hinterteil herumsurren. Sie erinnern mich in der Tat an PIL und A Flux Of Pink Indians, obwohl dies zweifelsohne unbeabsichtigt ist. Die Drums sind programmiert, ja, allerdings klingen sie ziemlich natürlich, da sie nie für mehr als ein marschierendes Stampfen eingesetzt werden, und wandern so zusammen mit dem Bass über Berg und Fjord, die Last der ausdruckskräftigeren Instrumentierung tragend. Nehmt euch aber in Acht vor der frenetischen Doublebass gegen Ende von "The Shadow Lies Frozen On The Hills". Die Vocals sind vorrangig ein Black-Metal-Raspeln, immer böse, manchmal durch Leid betont.Gegen Ende des Albums fahren SUMMONING das Tragische etwas zurück und legen das Triumphante dar. Insofern wird "The Loud Music Of The Sky" fraglos von "A Distant Flame Before The Sun" übertroffen, aber nichtsdestotrotz gibt nach einem nachdenklichen Start die Einführung rasiermesserscharfer Gitarren eine Absichtserklärung für den hochtrabenden Closer ab, der da "A Distant Flame..." heißt. Dieses Finale gibt nur so mit Bombast und Pomp an, und hier sägen wieder mal die schnell gepickten Gitarren nur so vor sich hin während sich die Synths zu neuen Höhen aufschwingen, eine Herausforderung an alle. 'Episch' ist eine sehr überstrapazierte Bezeichnung was Musik angeht, aber "Stronghold" verdient solch einen Titel. Obwohl es einfach gebaut ist, wurde es sehr kunstvoll ausgeführt, und die ihm eigene Soundtrackqualität wurde schon oft angemerkt. Von der anfänglichen Verzweiflung bis zum frohlockenden Ende fühlt man sich in der Tat so, als hätte man ein Abenteuer durchgestanden und allen Gefahren zum Trotz am Ziel angekommen, siegreich über all die fürchterlichen Feinde, die euer Geist während dem Hören heraufbeschworen hat. Wenn ihr dafür bereit seid, könnt auch ihr euch hierin tief hineinziehen lassen. --Mac/Metal Observer
06.Tyr - hold the heathen hammer high
Album: By The Light Of The Northern Star
Färöer 2009
TÝR gehören zu den ganz wenigen Bands, die es schaffen, ihre Songs auf nordischen Mythologien und Wikinger-Thematiken aufzubauen, ohne dabei wie eine Klamauk-Truppe vom Dorftheater rüberzukommen. Das Quartett von den Färöer-Inseln veröffentlicht mit „By The Light Of The Northern Star“ ihr fünftes Album und bleibt seinem Stil weiterhin treu: TÝR komponieren noch immer eingängige, epische Metal-Songs, deren folkloristische Melodien ohne Umweg ans Herz greifen. Natürlich kommen dabei keine versoffenen Schunkelnummern heraus, sondern heroische Mini-Epen ohne süßlichen Sonnenuntergangs-Zuckerguss. Wenige Bands verkörpern ein Wikinger-Image derart authentisch wie TÝR, obwohl auch bei dieser Band abgedroschene Schlagwörter wie „sword“, „heathen“, „storm“ und „warriors“ beinahe im Sekundentakt fallen.
Woran liegt es also, dass „By The Light Of The Northern Star“ nicht bloß ein langweiliger Griff in die Klischeekiste ist? TÝR leben ihre Songs mit Leidenschaft, sie sind nicht bloß eine Kapelle, die 08/15-Metal macht und sich „Wickie und die starken Männer“ auf’s Frontcover pappt. Die tiefe Verwurzlung in folkloristisch-heidnischen Melodien bei gleichzeitigem Verzicht auf entsprechendes Instrumentarium macht einen ganz speziellen Reiz aus. Es regiert die E-Gitarre, die Metal-Gitarre, die harten, stampfenden Riffs und Rhythmen und hochmelodischen Leads und Soli, welche die Stimme begleiten. Growls finden bei dieser Band nicht statt. Heri Joensen setzt nicht auf eine hohe, gepresste Kopfstimme, sondern auf dunklen, klaren Gesang, der viel dazu beiträgt, dass die Songs so hymnisch klingen wie bei kaum einer anderen Band.
„Hold The Heathen Hammer High“ leitet das Album als mächtiger Heavy-Rocker ein, im Refrain wird die Durchschlagskraft durch ein Unisono von Chor und E-Gitarren bis ins Walhalla erhoben. „Into The Storm“ legt ganz TÝR-typisch stampfend los und ist dabei erfüllt von grimmiger Heiterkeit. „Northern Gate“ wirkt durch zu viele „Ho-hos“ am Ende ein wenig einfallslos – dafür lässt das darauf folgende „Turid Torkilsdóttir“ umso mehr aufhorchen: Eingeleitet von traditionellen Chorgesängen ganz ohne Instrumente erweitert sich der Song mit krachenden Akkorden ins metallisch-epische, bevor das Stück sich zu einer flinken, melodischen Nummer mit singender E-Gitarre wandelt.
„By The Sword In My Hand“ startet aggressiv, das Riff nimmt den Refrain vorweg. Die Nummer wirkt zuerst finsterer und sperriger, wird aber bald durch den Refrain martialisch aufgelöst: „By the sword in my hand / I will conquer the land / I will decimate / And decapitate those who question the sword“. Wild fröhlich mit folkloristischer Melodie setzt „Ride“ einen gelungenen Gegenpol zum vorhergehenden Schlachtgemälde. Weit wie der Horizont und treibend beschließt der Titeltrack das Album und macht hemmungslosen Gebrauch von diesen Wikingerchören, die sich wie ein roter Faden durch das ganze Album ziehen.
FAZIT: Tief verwurzelt im epischen Heavy Metal verbindet TÝR auch in diesem Jahr folkloristische Melodien und Wikinger-Themen mit einer unerhörten Eingängigkeit, die seinesgleichen sucht. Heroisch und gar nicht peinlich fegt „By The Light Of The Northern Star“ wie ein Sturm durch die Boxen und sollte auch Hörer begeistern, die nicht jeden Tag das Met-Horn schwingen. --Nils Herzog
07.Voivod - the x-stream
Album: Katorz
Canada 2007
"Katorz" wird nach wie vor vom tragischen Tod des genialen VOIVOD-Gitarristen und -Songwriters Denis "Piggy" D'Amour überschattet. Das ist umso tragischer, weil Ur-Sänger Denis "Snake" Belanger (bereits für den Vorgänger) "Voivod" zurück gekehrt ist, nachdem das Flaggschiff VOIVOD in den Jahren mit Eric Forrest am Mikro doch deutlich angeschlagen war. Bekanntlich ist die kanadische Band jedoch niemals in ihrer Karriere über einen Underground-Status hinaus gekommen, und auch "Katorz" wird - beziehungsweise, bei positiveren Vorzeichen, hätte - an dieser Tatsache nichts ändern können. Von vielen Musikern und Kritikern als Einflüsse und Innovatoren gelobt, konnte die Band bei den meisten Musikhörern nie punkten, was zu einem nicht unerheblichen Teil an der Sperrigkeit und der Komplexität des Songmaterials liegen dürfte. Auch das vorliegende Vermächtnis ist nicht unbedingt Mainstream, wenn auch längst nicht mehr so roh, ungeschliffen und rebellisch wie frühe Meilensteine à la "Dimension Hätröss" oder "War & Pain". Ein ursprüngliches, punkiges Flair vermag "Katorz" dennoch glaubwürdig und authentisch zu vermitteln, was nicht zuletzt der eigenwilligen Stimme von Rückkehrer Belanger zu zu schreiben ist. Die state-of-the-art-Gitarrenarbeit von D'Amour und das punktgenaue Drumming von Michael "Away" Langevin bilden nach wie vor das Rückgrat von VOIVOD, und der knatternde Bass von Jason "Jasonic" Newstedt gibt den Kompositionen den nötigen Drive. Eigentlich findet sich auf "Katorz" nichts, was es nicht schon auf früheren VOIVOD-Alben gab, die Band ist völlig eigenständig und kann absolut nicht beschrieben werden. Zwar sind nicht sämtliche Songs Volltreffer, aber das Gesamtbild ist absolut positiv. Die meisten Leute werden auch "Katorz" im Laden liegen lassen (beziehungsweise dies schon getan haben), aber Liebhaber von anspruchsvoller Musik mit Thrash- und Punk-Appeal werden schon seit der Veröffentlichung im Staub knien. Es ist einfach schade, dass die Klasse solcher Bands wie VOIVOD, ANACRUSIS oder CYNIC par tout nicht den Geschmack einer breiteren Masse finden will und dafür glatt polierte Prog-Truppen, die trotz komplexer Songs kein Feeling transportieren können und schlicht langweilen, in den siebten Himmel gelobt werden. VOIVOD kann es letztendlich wurst sein, denn egal, was jemals noch von der Band kommen mag, "Katorz" markiert das Ende einer Legende. RIP, Piggy! --metal.de
08.In Morpheus' Arms - reality
09.In Morpheus' Arms - pandamonium pt.III
Album: Distrust The Mantra
Germany 2008
Manchmal kommt es ganz anders als man denkt. Im Vorfeld der neuen Sendung war es nicht leicht eine weitere Band für die monatliche Vorstellung zu finden. Nachdem wir in den vorangegangen Sendungen eher Death/Thrash-lastige Combos spielten, kam mir der Gedanke mal nen Gang zurück zuschrauben und mal etwas völlig anderes zu präsentieren. Bei meiner Suche stolperte ich über das Duisburger Quintett "In Morpheus‘ Arms", die mich nach einer kurzen Hörprobe sofort in ihren Bann zogen. Was die Band ausmacht? Es ist schlicht und einfach gesagt, der eigene Stil und das professionelle Arrangement. Dabei begeht die Band nicht den Fehler sich in den Songs zu verlieren oder in eine Dream Theater-Kopie zu verfallen. Mit ihrem letzten Output "Distrust the Mantra" wurde nicht nur ein kleines Meisterwerk geschaffen, sondern die Messlatte für weiteres Material hochgelegt. Da man die Mixtur aus Porcupine Tree und Tool eher selten in unseren Breitengraden findet, wirkt das ganze Material sehr frisch, unverbraucht und individuell, was für den einen oder anderen vielleicht etwas ungewohnt sein kann. Wer allerdings schon auf Bands wie The Ocean oder Dark Suns abfährt, der wird die Crew von "In Morpheus‘ Arms" sofort in sein Herz schließen.
Zum perfekten Debut trägt nicht nur die klare, sanfte Stimme von Sängerin Mira und das präzise drumming von Schlagzeuger Peter bei. Es sind auch das druckvolle Spiel, von Basserin Natalie, das stark an Tool erinnert und die wundervoll gespielten Flächen von Keyboarder Karsten. Natürlich sind es auch die grandiosen Gitarrenverläufe von Sascha, die allen Songs die nötige Härte mit auf den Weg geben. Das gesamte Zusammenspiel aller Bandmitglieder funktioniert so präzise, wie ein Uhrwerk.
Was wird die Zukunft dieser Band bringen? Ich hoffe, nur Gutes! Ausreichend Material, für den nächsten Silberling wäre bereits vorhanden, doch dafür müssen noch einige Konzerte bestritten werden, verriet mir Gitarrist Sascha.
Fazit: Ich selber kann für "Distrust the Mantra" eine klare Hör- und Kaufempfehlung geben. --Tobias & Lisa
Konzerte:
11.03. Frankreich-Paris - Gibus
19.03. Oberhausen/Nordrhein-Westphalen - Zentrum Altenberg
20.03. Oberhausen/Nordrhein-Westphalen - HoT Jugendzentrum
17.04. Oberhausen/Nordrhein-Westphalen - Parkhaus Meiderich
01.10. Oberhausen/Nordrhein-Westphalen - Die Mühle
Homepage: In Morpheus' Arms
10.Diamond Head - am i evil
Album: The White Album/ Lightning To The Nations
Great Britain 1980
Diamond Head spielten ganz klar Heavy Metal und zwar in der Art, die man damals wie heute als NWOBHM (New Wave Of British Heavy Metal) bezeichnet, ähneln also gewissermaßen Bands wie Iron Maiden, Saxon, Krokus etc., wobei man das so schon wieder nicht sagen kann. Diamond Head haben einen sehr eigenständigen Stil, anhand der teilweise extrem langen Songs kann man schon erahnen, dass hier einiges geboten wird. Der Songaufbau ist teilweise schon episch, man kann durchaus erkennen, woher Metallica und auch Megadeth ihre Einflüsse her haben. Anspieltips kann man kaum geben, jedoch sollten Tracks wie „Am I Evil?“, „Helpless“, „The Prince“ und „It’s Electric“ von den Metallica Coverversionen her bekannt sein. Damit hat man ja schon vier von sieben Tracks gehört. In diese Richtung geht auch der Rest. Es dürfte jedem klar sein, dass die Diamond Head Versionen dieser Tracks nicht schneller als die Coverversionen sind, es sind aber die Originale und sie strahlen etwas ganz besonderes aus. Man muss einfach sehen, dass die Aufnahmen aus dem Jahr 1980 stammen, also zu Beginn der NWOBHM entstanden. Sozusagen Pionierarbeit. Als Metal Fan sollte man auf JEDEN FALL die Originale kennen und auch wenn man die Tracks nur von Metallica her kennt: die Diamond Head Versionen sind die Originale, auch wenn jetzt für den ein oder anderen eine Welt zusammenbricht.
11.Blitzkrieg - blitzkrieg
Album: A Time of Changes
Great Britain 1985
Diese Band muß man wohl keinem Heavy Metal Fan mehr vorstellen. Blitzkrieg sind einfach Heavy Metal pur, so wie er zur seligen NWOBHM-Zeit und noch einige Jahre danach gespielt wurde. Über die Satan/Pariah-Verbindungen könnte ich mich jetzt ausgiebig auslassen, aber das dürfte nicht in eurem Interesse sein. Daher sagen wir einfach mal, daß Blitzkrieg die Ur-Band der beiden späteren Bands war, die alles andere als schlecht waren. Aber bleiben wir beim Thema, "A Time of Changes" war das Debütalbum dieser tollen Gruppe, die mit inbrünstiger Leidenschaft das zelebrierte was ihr Herz so sehr begehrt: Heavy Metal in seiner reinsten Form. Die CD beginnt mit dem Intro "Ragnarok", um dann mit dem furiosen "Inferno" durchzustarten. Ein mächtiges, treibendes Riff lenkt diesen Song gradlinig in euer Hirn, und ein gewisser Brian Ross singt souverän mit seiner einzigartigen, kommandierenden Metal-Stimme. Der nächste Song "Blitzkrieg" (wurde natürlich von Metallica gecovert) wurde in Untergrund Metal Kreisen längst zu Hymne der Band. Und es ist auch ein absolut packendes Riff, das einen hier einfach mitreißt - besser kann man Heavy Metal nicht spielen! Song Numero 3 nennt sich "Pull the Trigger" und ist unglaublich groovig eingespielt. So viel Groove hat sonst kaum jemand im Metal, und was für ein erstklassiger Bass-Einsatz hier immer wieder zur Geltung kommt, einfach genial! So grandiosen Heavy Metal spielen nur die allerbesten Bands zu deren Glanzzeiten. Aber der eigentliche Höhepunkt der CD kommt sogar noch, denn mit "Armageddon" haben die Blitzkrieger einen wahren zeitlosen 6-Minuten Klassiker abgeliefert, auf den wohl jede Metal Band stolz gewesen wäre. Hier treffen schwere, packende Riffs auf eine Stimme, die dem Song die nötige Dramaturgie verleiht. Erst schnell, wird dieser Song im Mittelteil sogar etwas düster und rockt wie die Hölle. Was für eine Banger Wonne! Da freut man sich über jeden Ton, der einem aus den Lautsprechern entgegen kommt. Dieser Song ist außerdem echt komplex, aber dies merkt man gar nicht, da er so unglaublich kompakt und mitreißend eingespielt wurde. Einfach göttlich! Hört euch mal die Monster-Riffs im letzten Drittel des Songs an, was für mächtige und treibende Klangwellen da über einen hereinfallen, einfach herrlich, da fehlen mir wirklich die Worte, das muß man gehört haben! "Take a Look Around" ist der nächste Song, der im Vergleich zu den restlichen sehr melodisch ausgefallen ist und neben wunderschönen Leads auch eine tolle Atmosphäre zu bieten hat. Bei der starken Live-Version von "Hell to Pay" treten Blitzkrieg so richtig schön aufs Gaspedal. Wieder wird man von erstklassigen Riffs förmlich überwältigt. Mann, ich weiß nicht von wann diese Aufnahme stammt, aber Gütiger, war die heavy und mächtig. Ich glaube, das Publikum wurde klangtechnisch gesehen regelrecht begraben. Wie geil! Die Leads sind wieder vom feinsten und auch Brian klingt großartig. Mann, das war ja schon Power Metal, was Blitzkrieg hier live auf die Menge zukommen ließen. Danach kommt das gefühlvolle "Vikings", eingeleitet mit einem superben Wind-Synthesizer, hört sich diese Halbballade so betörend an, dass es einem heiß und kalt den Rücken runter läuft. Metal Herz was willst du mehr? Zwar können "A Time of Changes" und "Saviour" den sehr hohen Standard des Albums nicht mehr ganz halten, aber sie sind trotzdem locker als tolle Lieder einzustufen. --Mansur
12.Saxon - denim and leather
Album: Denim and Leather
Great Britain 1982
Mit "Princess Of The Night" findet sich auf Denim And Leather, dem vierten Saxon-Album, einer der größten Hits der Bandgeschichte überhaupt wieder. Der 1981 in die Läden gekommene Rundling setzt die musikalische Marschroute seiner Vorgänger Wheels Of Steel und Strong Arm Of The Law konsequent fort. Will heißen, Heavy Metal in Reinkultur. Und so krachen Songs der Marke "Never Surrender", "Rough And Ready", "And The Bands Played On" oder "Denim And Leather" ohne jegliche Schnörkel und überflüssigen Tamtam aus den Boxen. Der Aufforderung des fünften Stücks "Play It Loud" kommt man gerne nach, denn erst dann entfalten die insgesamt neun Heavy Metal-Brecher ihre wahren Stärken. Pumpender Bass, donnernde Drumattacken und ein herrlich schönes Riffgewitter bricht über den Hörer herein und über alledem thront die majestätisch kreischende Stimme von Biff Byford. Metal-Herz was willst du mehr!?! --Armin Schäfer
13.Iron Maiden - the number of the beast
Album: The Number Of The Beast
Great Britain 1982
Ja, dies ist das Album, welches Maiden weltberühmt gemacht hat, mit dem Song, den jeder als erstes nennt, wenn er den Namen Iron Maiden hört. In Religionsbüchern (so auch in meinem) als satanistisches Werk angepriesen wurde dieses Album öffentlich auf Tagungen radikaler Christen verbrannt. Natürlich ist dies lächerlich, jedoch ist die Musik teuflisch gut. Auf „The Number of the beast“ sind wohl mit die meisten Maiden Klassiker vertreten, die man sonst so nur auf einer Best-of Cd wieder findet. Maiden wurde mit diesem Album die Nummer Eins in den britischen Longplay Charts. Doch „TNotB“ ist nicht nur ein Meilenstein im Bereich „NWoBHM“ und im Heavy Metal allgemein, sondern auch das Album Nummer Eins nach dem „freiwilligen“ Abgang, wahrscheinlich wurde er eher wegen einem übermäßigen Alkoholkonsum auf einer der Touren rausgeschmissen, von Paul Di Anno und dem Einstieg von Bruce Dickinson. Mit „Invaders“ startet das Album in einem flotten Tempo. Typischer Maiden Up-Tempo Song, bei dem Dickinsons Stimme mal wieder in der oberen Tonlage anzuordnen ist. Mit „Children of the Damned“ folgt dem Opener das erste Highlight der Platte. Erst langsam, steigert sich dieser Klassiker zu einer Up-Tempo Nummer mit schnellen Gitarren-Soli und teilweise sehr schön lang gezogenen Gesang. „The Prisoner“ ist für mich einer der unterbewertesten Maiden Songs überhaupt. Der Song hat alles um mit den großen Song genannt zu werden. Ein schönes Intro mit Stimmen aus einem Kerker eröffnet den Song gefolgt von krachenden Gitarren und einem melodiösen Refrain. Wieder kann man die Leidenschaft in Dickinsons Stimme spühren, die dem Song einen gewissen Ausdruck verleiht. „22 Acacia Avenue“ stellt für mich den einzigen Schwachpunkt dieses Albums dar, auch wenn dieser Song von vielen zu einem Klassiker erklärt wurde, ich kann mir nicht erklären wieso. Ich werde mit dem laschen Gesang und den schwachen Gitarren einfach nicht warm. Mir gefallen der Refrain und die Soli nicht, leider wird der Song auch nicht besser, indem er 6.36 Minuten dauert. Ein Intro mit Gänsehautgarantie folgt der wohl legendärste Maiden Song, nach dem auch das Album benannt worden ist. Angst und Dunkelheit sind die beiden Schlagwörter, die einem beim Hören des Songs in den Verstand kommen. Charakteristisch für dieses Meisterwerk ist die geniale Gitarrenarbeit und der Gesang mit den lang gezogenen Schreien. Sicherlich nicht der beste Song von Maiden , aber ein großes Mosaikstück im Legendstatus der Briten. Weiter geht es mit dem nächsten All-Time Klassiker. „Run to the Hills“ stellt nicht nur den Abschluss eines jeden Maiden Konzerts dar, sondern ist auch der erste Verkaufshit in der Geschichte, der damals noch jungen Band. Mit einem Refrain zum Mitsingen, einem Schlagzeug, das wie die Gewehrschüssen klingt und der Intensität und Leidenschaft in Dickinsons verdeutlicht Maiden den Kampf der Indianer gegen die weißen Eroberer. Live ist dieser Song ein absolutes Erlebnis. „Total Eclipse“ und das vorherige „Gangland“ sind eher unbekanntere Maiden Song, die beide auch ein wenig im Reigen der Klassiker untergeht. Leider auch nicht ganz unberechtigt, denn mehr als Füllmaterial sind beide leider nicht. Beide sind zu gleich, als das man beide einzeln reviewen müsste. Beides sind für Maiden durchschnittliche Up-Tempo Nummern, die vom schnellen Gitarrenspiel und den hohen Tönen von Dickinson leben. „Hallowed be thy Name“ startet düster, Glockenschläge ertönen und Sprechgesang gesellt sich dazu, bis Murray und Smith mit ihren Gitarren einsetzen und das Tempo des Songs steigern. 7 Minuten episches Spektakel stehen dem Hörer bevor, in dem er die Vielfalt und Fähigkeiten der einzelnen Maiden Musiker erleben darf. Oft wurde es gecovert, doch niemand erreichte die Brillanz des Originals. Fazit: Das ist das Maiden Album schlechthin, es ist das Album was die Jungs berühmt machte und es ist das Album, was noch in 20 Jahren Metaller begeistern wird. Mit neun Songs ist es zwar recht mager aus gefallen, doch bis auf Arcacia Avenue, findet man nur Klassiker und großartige Musik wieder. Vielleicht ist „The Number of the beast“ das beste Heavy Metal Album aller Zeiten, aber auf jeden Fall ist es das besten Iron Maiden Album. --Ben
14.Solstafir - she destroys again
Album: köld
Iceland 2009
Fans von SÓLSTAFIR sind es ja schon gewohnt, auf neue Alben der Isländer zu warten: So erschien das Debüt "Í Blóði Og Anda" erst mit dreijähriger Verspätung und fast sah es gar nicht mehr danach aus, dass das Nachfolgealbum "Masterpiece Of Bitterness" überhaupt das Licht der Welt erblickt. Umso erstaunlicher war, dass der Vierer schon Ende 2007, und damit nur zwei Jahre nach Veröffentlichung ihres Meisterwerks der Bitterkeit das Studio enterten, um ein neues Album einzuspielen. Doch auch diesmal mussten die Fans wieder geduldig warten, denn SÓLSTAFIR ließen sich in der Folge ziemlich viel Zeit, um "Köld" – so der Name des neuen Werks – fertigzustellen. Der Mix verschob sich in den Spätsommer 2008 und letztlich dauerte es noch einmal mehrere Monate, bis "Köld" nun endlich in den Läden steht. Doch alle Ungeduld dürfte sich nun in Freude wandeln, denn die Isländer legen ein weiteres Meisterwerk vor. Wie das Album zuvor, ist "Köld" ein siebzigminütiges Epos mit überlangen Songs, aber ohne überbordende Songstrukturen. Und "Köld" ist das erste Album seit einer langen Zeit, bei dem ich denke, dass ich dafür jegliches analytische Denken abschalten muss. Die einzige Forderung, welche die Musik an den Hörer zu stellen scheint, ist, sie laut zu hören. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass "Köld" enorm groß ist und Horizonte öffnet, sofern man sich den Klängen hingibt, in die Musik eintaucht und sich forttragen lässt. Das Album ist wie eine Abfolge von Klanglandschaften, weite und karge Landschaften, die aber in ihrer Natürlichkeit nicht nur Kälte ausstrahlen, sondern bisweilen heimelig wirken. Klanglandschaften jedoch, die jeder für sich selbst definieren und mit Bildern verknüpfen muss. Während der Opener, das instrumentale "78 Days In The Desert" sowie "Pale Rider" noch die Freiheit und Weite eines Gebirges wiederspiegeln, verdichten sich beim schwermütigen Titeltrack oder dem depressiven "Necrologue" die Wolken und es scheint kaum Hoffnung zu bestehen. "World Void Of Souls" entführt den Hörer schließlich in eine karge, unwirtliche Leere: Nur selten fällt etwas Licht in dieses verdichtete Nichts. Dem gegenüber stehen zupackende Stücke wie "She Destroys Again" und das fast schon positive "Love Is The Devil (And I'm In Love)". Ein letzter Höhepunkt ist das finale "Goddess Of The Ages", das mit verschiedenen Instrumenten aufwartet und unterschiedliche Stimmungen reflektiert. Manchmal erinnert mich das an die experimentellen Passagen bei ...IN THE WOODS, manchmal an den Spirit der alten U2. Doch das sind vage Anhaltspunkte, die dem Charakter der Musik nicht gerecht werden können: Denn jeder wird diese Klanglandschaften mit anderen Bildern verbinden. "Köld" ist ein Stück Musik, das über die Sinne aufgenommen wird, dann aber sofort das Unterbewusstsein anspricht und dort Energien freisetzt, die man nicht mehr kontrollieren kann: "It's like a natural high", nennt das Sänger und Gitarrist Aðalbjörn. Recht hat er. --metal.de
15.Shining - fisheye
Album: Blackjazz
Norway 2010
GOTT, SEID IHR KRANK?!?!?! "Armer Mensch, ach, musst du leiden, dich verdrehtester Gedanken hingeben und das Ungewollte als gewollt begreifen, das Hören als Höllenfahrt und das Fühlen als zutiefst dunkle Dreingabe des Gespielten hinnehmen." Ähnlich würde vielleicht ein Adorno eine Rezension der neuen SHINING einleiten, verwirrt und aufgelöst über dir verwirrten und aufgelösten Songstrukturen auf dem neuesten Werk der Norweger. Dieses Monster hört passenderweise auf den Namen "Blackjazz" und ist mit Sicherheit vornehmlich eines: Ungewöhnlich. "Vermittelnd zwischen Rock und all dem, was der geneigte und das Ungewöhnliche gewohnte Hörer dieser absonderlichen Teufelsmusik zu hören vermag, steht diese Musikgruppe für ein Experiment voller der Hybris zugeneigten Übertreibung: Es geht um das Spiel mit den Fäden der Marionette des Extremen, es geht um die Gratwanderung zwischen verkehrtem Hedonismus und der Schwere des Seins, kulminiert in einer verachtenden Weise der menschlichen Unzugänglichkeit." Das, was die Band auf ihrem Vorgängeralbum "Grindstone" ausgemacht hat, also beispielsweise unglaublichen Variantenreichtum und eine erfreuliche Absage an etablierte Rockstilistika, vereint auch "Blackjazz" in sich. Doch während sich der Vorgänger mehr in die Siebziger orientiert hat und dabei wegweisende Bands wie VAN DER GRAAF GENERATOR oder JETHRO TULL zitiert, dabei immer um die Atmosphäre der Musik dieser Legenden bemüht, bewegt sich "Blackjazz" nicht nur auf deutlich verrückteren Wegen, sondern auch mehr in der Realität des amerikanischen, fetten Hard und Prog Rocks. Diese Attitüde kulminiert nicht zuletzt in einem abgedrehten KING-CRIMSON-Cover von '21st Century Schizoid Man'. "Gleichsam der Betrachtung des Kreidefelsen Friedrichs, fällt der Hörer durch den Rahmen eines musikalischen Negativs in die Unendlichkeit des Minimals, denn nichts anderes bemüht diese skandinavische Hexerei aufs Äußerste: Den Verlust des Gewohnten in einem Meer der Einförmigkeit, scharf kontrastiert durch eine musikalische Chimäre, gebaut aus den Kreationen erhabener Rock- und Jazzmusiker, immer darauf bedacht, den Hörer von Moment zu Moment durch unerwartetes zu überraschen und – schließlich und schlussendlich – zu verstören." Hätte Marylin Manson sich dafür entschieden, Jazz zu machen und nebenbei eine Schar ausserordentlich guter Musiker um sich zu scharen, so wäre wohl "Blackjazz" dabei herausgekommen. Die Gitarren sind häufig bis zu Unkenntlichkeit verfremdet, selten lassen sich die einzelnen Instrumente tatsächlich heraushören und zuordnen. So ergeben sich häufig Soundcollagen, die sich häufig recht schwer in Songstrukturen pressen lassen. Am ehesten unterscheidbar sind Passagen, in denen das "Blackjazz"-Monstrum entweder ruhig da liegt, seine Wunden leckt und alles in seiner Umgebung mit einem wirren Blick betrachtet, oder in rasender Wut alles um sich herum zerstört und auseinander reißt. Was fängt man nun also mit diesem Album an? Noch einmal Adorno, zum Schluss: Fazit: "SHINING erschaffen eine künstlerische Tautologie, ein nicht zu fassendes, häufig in sich kreisendes Ergebnis, das die ein oder andere Redundanz leider nicht vermeiden kann. Natürlich, das Gesetz des Minimals diktiert den durchaus fähigen Musikern, dass sie sich allzu weit aus dem Prager Fenster lehnen dürfen, doch gerade die Unbändigkeit lässt den rasenden Roland stürzen. Denn häufig nimmt die Band ihren Hörer nicht mit auf diese Geisterbahnfahrt durch klangliche Abartigkeiten und erschafft etwas verstörendes, zuletzt aber nicht wegweisendes, etwas ungewöhnliches, zuletzt aber doch nicht mehr als eine Mutation. Und dennoch ist man geneigt, diese musikalischen Störgeräusche immer wieder auf des Messers Schneide tanzen zu lassen, denn das Uneröhrte will erhört werden, auf dem Scheideweg des Klangs zur Musik wird nun also vorgezogen die letzte Schlacht geschlagen und schließlich, ja, schließlich bleibt vor allem eines zurück: Der Respekt vor dem Mut dieser Klangkünstler, die Faszination, diese Dekonstruktion des Rocks und des Jazz in Reinkultur erleben zu dürfen." --Julian Rohrer
16.JBO - ein bisschen frieden
Album: Laut!
Germany 1997
Die fränkischen Spaßbarden J.B.O. setzen uns mit „laut!“ zwei Jahre nach dem Debütalbum ihr zweites akustisches Witzebuch vor. An der musikalischen und textlichen Ausrichtung hat sich natürlich nichts geändert. Dazu gabs auch keinen Grund, verkaufte sich doch schon „Explizite Lyrik!“ über 10.000 mal (anno 2003 steht der Zähler schon bei knappen 300.000). Nun krallte sich der Major BMG/Ariola die Vier, und mit deren Hilfe schaffte es „laut!“ bis auf den 13. Platz der deutschen Albumcharts. Auch hier sind wieder viele Kiassiker unter die Räder gekommen, diesmal mussten unter anderem Queen (We Are The Champions – Wir sind die Champignons), Pet Shop Boys (Go West – Ein Fest), die Rolling Stones (Angie), Nicole (Ein bisschen Frieden) oder Sepultura (Roots Bloody Roots) Federn lassen. Aber auch die Eigenkompositionen sind wieder stark vertreten, im Vergleich zum Vorgänger gibt’s hier sogar noch mehr. „Bolle“, „Hose runter!“ mit Volksmusik-Beats und „Die Scheiße“ zum Beispiel sind astreine Hits für jede Party. Wer hier nicht lacht, lacht nimmermehr! „Wir sind die Champignons“ ist meiner Meinung nach sehr gut und lustig geworden, „Ein Fest“ aber is dann doch eher langweilig und hätte ich nicht gebraucht. „Ein bisschen Frieden“ auf Rammstein und „Roots Bloody Roots“ mit sensationellem Pavarotti-Gejaule sind sowieso unumstrittene Klassiker bei J.B.O. Bei den drei „Drogen“-Teilen sinnieren Hannes und Vito über den Drogenverbrauch von Rockmusikern, abgeschlossen wird das vom Antigeständnis „Wir wollens nicht mehr nehmen“ von Twisted Sister – einfach köstlich! Und wenn sich die Kerle bei „Angie“ den Bodensee aus den Augen weinen, bleibt wirklich kein Auge mehr trocken, wirklich herzergreifend. Von unserem Freund, dem „Guten Tag zum Sterben“, gibt’s hier die sogenannte Bad Reichenhall-Version mit richtig groovenden und knallenden Riffs. Mit „Liebe ist süß“, einer liebevollen Hommage an die Merci-Werbung, wird auch der letzte noch frei fliegende Vogel abgeschossen. Textlich und musikalisch geht’s zwar wie gesagt immer in etwa die selbe Richtung wie „Explizite Lyrik“, doch wird hier an Witz, technische Fertigkeiten und Abwechslung noch einiges draufgelegt. Hier bemerkt man auch die steigende Professionalität des Quartetts. Insgesamt also eine doch beachtliche Steigerung! Liebt sie oder hasst sie! Macht was ihr wollt, ich will nimmer ohne. Und nicht vergessen: „Hose runder, Schwanzvergleich, so macht ma des als Mann, mit wortverdrehn und diskutiern fang ich erst gar ned an.“ Prost ;-) --Stephan Popp
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