09.01.2010
Playlist 24.01.10

Ab dieser Sendung werden wir unser Programmschema in einzelne Blocks unterteilen. Zudem wird in Zukunft die Bandvorstellung etwas ausführlicher präsentiert.

01 Darkane - layers of lies
02 Overkill - ironbound
03 Megadeth - 1,320
04 Ruins - the sum of your loss
05 Death - bite the pain
06 Hypocrisy - killing art
07 Annihilator - king of the kill (live)
08 Spiritual Beggars - angel of betrayal
09 Bathory - mother earth, father thunder
10 Moshquito - perverted appetite
11 Moshquito - state of the rat
12 Led Zeppelin - immigrant song
13 Rainbow - man on the silver mountain
14 Black Sabbath - sabbath bloody sabbath
15 Accept - fast as a shark
16 Sleepytime Gorilla Museum - helpless corpse enactment
17 Thorns - interface to god
18 Anaal Nathrakh - the final absolution
19 Knorkator - für meine fans

01.Darkane - Layers Of Lies
Album: Layers Of Lies
Sweden 2005

Autsch, meine Nackenmuskeln! Was war gestern abend nur los? Hab´ ich mich bei irgendeiner Kraftprobe im Vollrausch gezerrt? Bin ich im Straßengraben unweit der Bahnschranken eingeschlafen und hab´ da etwas Zug abbekommen? Oh nein, ich erinnere mich: Ich war stocknüchtern und hab´ "Layers Of Lies" von DARKANE gehört. Das Bangnirvana war mir sicher. Denn dieses Album knallt von den bombastischen Introklängen bis hin zum wuchtigen Rausschmeißer "The Creation Insane" ohne den geringsten Anflug von Gnade. Vor allem Drummer Peter Wildoer treibt die Songs wie eine Herde wütender Kampfstiere vor sich her. Dazu schreit sich Andreas Sydow die Eingeweide aus dem geschundenen Leib. Egal, wie harmonisch sich viele der Songs zum Refrain hin auch öffnen mögen, Andreas geht keine Kompromisse mehr ein und brüllt, sodass zu hundert Prozent klar wird, dass hier Thrash und nicht irgendwelche Pseudo-Emo-sonstwas-Core das Gebot der Stunde ist. Noch derbere Hooklines kann wohl nur Devin Townsend bei STRAPPING YOUNG LAD fabrizieren. Klas Ideberg und Christofer Malmström haben sich eh schon mit "Convicted" in die Ruhmeshallen des Thrashs gespielt, doch die schiere Masse an megainspirierten, messerscharfen Riffs unterschiedlichster Natur und an brillanten Solos, die stets bestens in den restlichen Songkontext eingebettet werden, sorgt dafür, dass dieser Ehrenplatz in Zukunft um einige schmucke Altäre erweitert werden muss. DARKANE 2005 - das ist ungezügelte Aggression, die dennoch stets mit tödlicher Präzision gelenkt wird und nicht ziellos verpufft. Hinzu kommen die von mir bereits im Bericht zur Listeningsession bejubelten Refrains (ich sag´ nur "Godforsaken Universe"!!!), die mit ihren Widerhakenqualitäten dafür sorgen, dass jeder Versuch, sich ihrer zu entledigen, zwangsläufig blutig enden muss. Unzählige Details, die jeden weiteren Hördurchgang zum neuerlichen Abenteuertrip werden lassen, tun ein Übriges, um den Hörer aller Sinne außer der akustischen Wahrnehmung zu berauben. Und am nächsten Morgen gibt es wieder üble Nackenschmerzen... --Vampster.de

Neuerscheinungen - Hier werden euch, die für uns wichtigsten Neuerscheinungen des Monats um die Ohren gehauen.

02.Overkill - Ironbound
Album: Ironbound
USA 2009

Unglaubliche 30 Jahre im Geschäft, mit D. D. Verni und Zappelphilipp Bobby "Blitz" Ellsworth nur mehr zwei Originalmitglieder im Line-Up, dennoch darf nach dutzenden Rotationen von „Ironbound“ schlichtweg begeistert behauptet werden, dass die vorliegenden zehn Nummern das Beste OVERKILL Material seit der legendären „Horrorscope“ Scheibe sind. Vergesst so Alben wie „I Hear Black“, „W.F.O.“, „Bloodletting, oder die neuzeitlichen „Killbox 13“, „ReliXIV“ bzw. „Immortalis“; OVERKILL sind nach der kurzen Rückkehr zu Jon und Marsha Zazula („Immortalis“ erschien bei Bodog Music, wo die Zazula’s auch unter Vertrag standen) im Thrashigen Heimathafen von Legenden wie TESTAMENT, EXODUS bzw. DEATH ANGEL gelandet; ab sofort wird der Brooklyn, New York Thrash Metal via Nuclear Blast Records in die weite Welt getragen. Dabei haben OVERKILL das vorliegende Album schon lange vor Vertragsabschluß fertig gestellt, die Motivationsspritze wieder derart kompromisslos und eingängig zugleich drauflos zu dreschen dürfte mit der neuen Company nur peripher zu tun gehabt haben.

In der knappen Eisen gebundenen Stunde ist es dann schlussendlich völlig egal wo man laserabtastend tätig wird, der mystisch beginnende (Mammut) Opener „The Green and the Black“ ist ebenso vorzüglich wie der sechseinhalb Minuten dauernde Hochgeschwindigkeits-Titeltrack. In „Bring Me The Night“ frönen Blitz & Co. Ihre Affinitäten zu Lemmy bzw. der NWOBHM, was den Song zu einem der Gourmetstücke von „Ironbound“ werden lässt und sogar eher verhaltene Beiträge wie „The Goal is Your Soul“, „Endless War“ oder „The Head and Heart” mit seinem bedrohlich mystischen Intro kommen mit einer Frische und Agilität daher, die man einer „Rentnerband“ so nicht (mehr) zugetraut hätte.

OVERKILL waren live immer eine Bank, mit „Ironbound“ erleben die hypersympathischen New Yorker allerdings ihren x-ten Frühling und verzeichnen ein frühes Thrash Metal Highlight des hiesigen Jahres, dem nicht einmal der leichte Substanzverlust zu Ende des Silberlings was anhaben konnte. High Class Energy Thrash Metal mit beinahe schwindelerregendem Qualitätslevel…wird spannend, ob die neuen Song on Stage ebenso zünden werden wie auf vorliegendem Tondokument! --stormbringer.at

03.Megadeth - 1,320
Album: Endgame
USA 2009

Es klingt schon fast pathetisch, wenn MEGADETH bzw. ihr Gründer und Leader Dave Mustaine den Albumtitel "Endgame" wählen und somit im übertragenen Sinne das suggerieren, was vor einigen Jahren fast schon Realität geworden wäre: Das Ende. Und nicht zu vergessen die Zeiten davor, und davor, und davor...

Der Rotschopf hat in seinen wilden Jahren sicher nichts ausgelassen, das Business und seine Exzesse mit definiert und seine Band dabei immer wieder aufs Spiel gesetzt - und das auch in kreativer Hinsicht. Dennoch hat Mustaine immer wieder die Kurve bekommen, unzähligen Besetzungswechseln (gerade an der führenden Gitarre) getrotzt und seinen Sturkopf immerzu durchgesetzt. Ausgerechnet eine Verletzung am Arm sollte ihn seinerzeit in den Ruhestand befördern. Aber Mustaine wäre nicht Mustaine, hätte er seinen unbändigen Ehrgeiz nicht ein weiteres Mal entscheiden lassen. "The System Has Failed" und "United Abominations" läuteten dann aber zum genau richtigen Zeitpunkt ein fulminantes Comeback ein, welches der Mastermind nun mit einem weiteren MEGADETH-Meilenstein vorerst abzuschließen versucht. "Endgame" ist nämlich inhaltlich so etwas wie die Quintessenz des Bandsounds der letzten zwei Dekaden - und als kreativer Output die wahrscheinlich vielschichtigste Platte, die der einstige METALLICA-Gitarrero in all der Zeit erschaffen hat!

Die guten Vorzeichen täuschen dabei nicht: Mustaine ist wütend, möchte aber auch allzu gerne spielen. Konsequenterweise wird im Intro 'Dialectic Chaos' erstmal vorzüglich geschreddert, wobei der Protagonist schon hier viele Freiräume für seinen neuen Partner Chris Broderick lässt. Der Flitzefinger, der zuletzt noch bei NEVERMORE aushalf, wird von seinem neuen Chef in den höchsten Tönen gelobt und bekommt auch jene Freiheiten, die bis dato eigentlich nur Marty Friedman genießen durfte. Für die Musik bedeutet dies vor allem, dass die Band anno 2009 verstärkt auf melodischere Parts setzt, die in Kopplung mit den wütenden Riff-Kaskaden das Album charakterisieren.

Doch auf den Punkt: "Endgame" mischt speedige Thrash-Songs mit Heavy Rock im "Cryptic Writings"-Stil, ergänzt die Melodik von "Youthanasia" und ist bisweilen doch so verspielt wie "Rust In Peace" und "So Far, So Good...So What". Die kombinierten Stärken werden im offiziellen Opener 'This Day We Fight!' zum ersten mal gebündelt und machen den Track zum wohl besten Stück nach dem Comeback. Das Zusammenspiel der beiden Gitarristen ist fantastisch, Dave himself klingt noch engagierter und forscher als auf "United Abominations". Wow!

In der Folge wird es bunter und bunter. '44 Minutes' eignet sich sogar als Classic-Metal-Nummer, während '1,320' und 'Bodies Left Behind' wieder die alten Speed-Metal-Reminiszenzen offenbaren. Dazwischen gibt es auch einige groovige Stücke wie beispielsweise 'Endgame' und das brachiale 'Head Crusher'. Und auch diejenigen, die MEGADETH vor allem wegen ihren verspielten Arrangements lieben, kommen heuer wieder voll auf ihre Kosten, nicht zuletzt im Rausschmeißer 'Nothing Left To Loose', der mit dem spannungsvoll gestalteten 'The Hardest Part Of Letting Go… Sealed With A Kiss' ein brillantes, abwechslungsreiches und mal wieder lückenlos überzeugendes Album abrundet.

Wer also glaubt, bei Megadave und seinen Kumpanen würde tatsächlich das Ende nahen, sieht sich definitiv auf dem Holzweg. Eher macht es den Eindruck, als wäre der MEGADETH-Anführer erneut in einen kreativen Jungbrunnen gefallen, in den ihn niemand geringerer als Mr. Broderick hineingeschubst hat. Es geht zwar weit, die These zu unterlegen, "Endgame" sei das beste Werk seit "Rust In Peace". Doch ehrlich gesagt fühlt es sich genau so an! --Powermetal.de

04.Ruins - The Sum Of Your Loss
Album: Front The Final Foes
Australia 2009

Australien schlägt wieder zu und schießt noch mehr zu Klump und Ruinen. Nach "Cauldron", mit dem das Studio-Duo Alex Pope und David Haley endlich einen Fuß in die Tür Europas gesetzt hatte, folgt der nun mehr dritte Schlag mit dem Langeisen: "Front The Final Foes" - und wie zu erwarten, werden auch bei dieser Konfrontation mit den schwarzen Mächten down unders keine Gefangenen gemacht.

Was sofort sozusagen ins Ohr fällt, ist die Produktion, die im Vergleich zum Vorgänger noch einen ganzen Zacken heftiger, klarer und drückender geworden ist. Der leichte Hall auf dem Schlagzeug ist einem relativ trockenen Klang gewichen, die Snare steht ein Stück zu weit im Vordergrund, aber auch Sänger Alex ist nun viel prominenter zu vernehmen. Womit wir schon beim zweiten Punkt wären, denn seine klare jedoch sinistre Phrasierung erinnert einerseits an frostige Stimmen wie Tom G. Warrior, aber stellenweise auch an einen Stil, den man wohl eher außerhalb des Black Metals vermuten würde.

Ein dritter, gleich im ersten Stück "Breath Of Void" auffallender Unterschied sind die deutlich komplexer und variabler gewordenen Kompositionen. Rasante Tempi-Wechsel prägen die acht Stücke, von Midtempo, abrupten Breaks und erbarmungslosem Geprügel ist alles dabei. Vor allem die erste Hälfte des Albums scheint einen progressiveren Einschlag zu haben.

Die für RUINS typischen, dominanten Motive und Melodien, die sich trotz einiger Hakenschläge durch die Songs ziehen, haben sich die Australier aber erhalten ("Cult Rapture", "Front The Final Foes"), ebenso die Momente, in denen sie mit starken Melodielinien auftrumpfen. "Hallways Of The Always", "Keeping This Crown" und "With These Winged Words" besitzen diese Magie, diese Anziehungskraft, die auch schon "Cauldron" ausgezeichnet hat - man kann sich von diesen Stücken gar nicht mehr losreißen, so sehr ziehen sie den Hörer in ihren Bann.
RUINS haben ihren Sound etwas verfeinert, ihre Songs noch etwas vielschichtiger gestaltet, aber vor allem haben sie sich auf ihre Stärken verlassen, die schon "Cauldron" zu einem großartigen Album haben werden lassen: Intensive, schwarzmetallische Tonkunst ohne falsche Verzierungen, fußend auf einem Fundament treibenden Death Metals. Sucht man einzelne Hits, greift man wie schon beim Vorgänger entweder ins Leere oder mit beiden Händen in die Vollen, denn im Prinzip nehmen sich die acht Stücke nichts und treten auch nicht voreinander zurück. Ein mächtiger, dreiviertelstündiger Koloss von einem Album, unaufhaltsam und irgendwie unwiderstehlich.

Must Hear Before You Die - Wir präsentieren euch Musik, die uns persönlich sehr am Herzen liegt. Denn diese Künstler sollte man zum einen kennen und zum anderen dürfen sie in keiner Sammlung fehlen.

05.Death - Spirit Crusher
Album: The Sound Of Perseverance
USA 1998

Spätestens seit „Human“ hielt bei DEATH nicht nur der progressive Stil und der merkliche Einfluss des Power Metal Einzug, auch die Probleme der Band in Sachen Besetzung nahmen seit dem Stilwechsel mit jedem Album zu. Nach „Symbolic“ eigentlich schon halb aufgelöst, begann Chuck Schuldiner an seinem neuen Projekt CONTROL DENIED zu arbeiten und DEATH vorerst auf Eis zu legen. Es sollte aber dann doch noch ein Abschiedsalbum von DEATH geben: „The Sound Of Perseverance“.

Noch stärker als bei dem Vorgänger „Symbolic“ hört man nun die starken Einflüsse des Power Metal und die inzwischen im Vordergrund stehende progressive Attitüde der Band. Genauso wie das Logo hat man den Sound nochmals radikal entschlackt und entrümpelt. Von Death Metal lässt sich hier teils gar nicht mehr sprechen. Progressive Metal beschreibt die Musik wesentlich besser und umfassender. Man geht virtuos ans Werk und schreckt auch vor Akustikgitarren nicht zurück. Der harsche Gesang und die typischen Riffs sind noch immer klar vorhanden, werden aber in ein oft wahnwitziges Songgerüst eingebettet, das bis heute im [Death] Metal seinesgleichen sucht. Ein überlanger Song wie „Flesh And The Power It Holds“, das Instrumental „Voice Of The Soul“ oder das fest zum Album gehörende JUDAS PRIEST-Cover tragen einiges zu dem eigenständigen Charakter dieses Machwerks bei, besonders im Vergleich zum Rest der DEATH-Diskografie.

Chuck Schuldiner wollte das Kapitel DEATH nicht ohne einen Knall beenden und das ist ihm gelungen. Der Name der Platte hat sich bewahrheitet und „The Sound Of Perseverance“ ist, genauso wie alle DEATH-Alben, ein Death Metal-Klassiker geworden, braucht sich aber dazu auch vor keiner Prog Metal-Platte zu verstecken. Da sieht man über das etwas oberflächliche Nietzsche-Konzept gerne hinweg. Denn die Wiederkehr des Immergleichen wird es zumindest hier leider nicht geben. Das letzte Album ist so einzigartig wie die Band. --Nicholas Freund

06.Hypocrisy - Killing Art
Album: Abducted
Sweden 1996

Dieses Album hat den Pfad für den wirklichen Durchbruch von HYPOCRISY geebnet und sie als eine der zur Zeit heftigsten Bands auf dem Planeten gekennzeichnet. Ich liebe diese Band, sie haben seicht als gewöhnliche Death Metal Band angefangen, die einige Augen geweitet hat, aber wer hätte gedacht, dass Tägtgren und seine zwei treuen Begleiter die zukünftige Blaupause des Death Metal werden würden?
“The Fourth Dimension” war eine ominöse Death Metal Platte, auf der das Potenzial der Band angefangen hat, sich zu zeigen, aber ihr Post Death Metal hat nicht gezündet, bevor „Abducted“ ’96 rausgekommen ist, obwohl es mehr Thrash-Einflüsse als Death in der Mischung hat. Thrash-Attacken wie „Carved Up“ und der Titeltrack sind raue Old School Werke aus dynamischen Rhythmen und Gitarrenarbeit, die den Hörer gnadenlos angreift, einfach aber effektiv.
Grooviger Death Metal war nicht wirklich das, was man mit den Schweden assoziierte, bis sie „Roswell 47“, „Arrival Of The Demons (Part 2)“ und „When the Candle Fades“ geschrieben haben, alles Killertracks, wobei der letzte sich auf der dunkleren Seite des Groove-o-meters befindet. Herr Tägtgren ist wohlbekannt für seine launischen Vibrato-Soli (und zahllose andere musikalische Qualitäten), aber auf „The Arrival Of The Demons (Part 2)“ hat er ein einzigartiges und zeitloses Solo geschaffen, das einen vor melodischer Perfektion erblinden lässt, es ist schwer, nicht mitzuspielen, wenn man es hört.
Und zum ersten Mal gibt es im Sound der Band wirkliche Sentimentalität, hört euch „Reflections“ oder „Slippin’ Away“ an... sicherlich sind sie keine fröhlichen Songs, aber das ist das erste Mal, dass die Band eine angenehme Atmosphäre wählt, wobei Tägtgren seine klare Stimme zum ersten Mal im Vordergrund einsetzt (denkt daran, das war zu einer Zeit, als klare Vocals nicht häufig in Death Metal Musik benutzt wurden). „Drained“ macht sich mit Nicht-Metal-Einflüssen zu schaffen und steigt hinab in halb-unplugged Arrangements, einen Happen Blues-Soloing und mehr von Tägtgrens zuversichtlichem klaren Gesang, ein geiles und unvermutetes Finale.
Indem ich mir die Alben der Band immer und immer wieder viel angehört habe, bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass „Abducted“ eher wie experimentelles Zieltraining wirkt, als wie ein echtes Album. Ich denke nicht, dass ihr im Katalog der Band ein abwechslungsreicheres Album finden werdet, hier passiert so viel mit all dem Zeug, das die Band versuchen wollte und bei dem sie sehen wollte, wie es mit ihren extremen Wurzeln zusammen funktioniert, weshalb sie sich auf Nachfolgern wie „The Final Chapter“, „Hypocrisy“ und „Catch 22“ letztendlich einen eigenen Pfad gebahnt haben.
Mit diesem Album, denke ich, haben HYPOCRISY Death Metal auf ein neues Level gebracht (ohne es überhaupt zu wissen), indem sie einige weniger metallische Einflüsse mit ihrem ansonsten brillant geschmiedeten Death Metal vermischt haben, und wenn ihr bezeichnender pfeilschneller Sound nicht wäre, wäre die Freude, HYPOCRISY zu hören, einfach nicht dieselbe gewesen.

Bereits genug! “Abducted” ist ein Klassiker, ein unverzichtbarer, ein freier Fall in musikalische Experimentierung hinein, ein genredefinierendes Stück Musik, ein Schlag ins Gesicht, es ist soviel in einem, wahrlich ein besonderes Death Metal Album. -- Frodi

07.Annihilator - King Of The Kill (live)
Album: Double Live Annihilation
Canada 2003

Was für ein Hammer-Album! Die neue Live-Doppel-CD von ANNIHILATOR enthält quasi alle Hits der kanadischen Speed-Metaller.
Nach dem sensationellen Debut „Alice In Hell“ und der Tour mit JUDAS PRIEST und PANTERA wurden ANNIHILATOR einst als die neuen Könige des Speed oder gar als METALLICA-Nachfolger gehandelt. Ganz hat es dazu leider nie gereicht und ich persönlich finde auch, dass nie wieder ein Lied ganz an die beiden ersten Titeltracks „Alison Hell“ und „Never, Neverland“ herangereicht hat. Doch hier gilt es einmal mehr, die Verhältnismäßigkeit zu wahren: Songs sind nicht schlecht, nur weil sie an absolut geniale Vorgänger-Songs nicht heranreichen.

Was nun die Live-CD angeht, so ist es schon faszinierend, mit welcher Präzision Jeff Waters und seine Mitstreiter einem ihre Mörder-Riffs auch auf der Bühne um die Ohren knallen. Das ständige Stakkato der Gitarren hämmert auf das Trommel-Fell ein, als würde man gerade von einem Maschinengewehr getroffen. Sänger Joe Comeau (Ex-OVERKILL) interpretiert live auch die alten Songs hervorragend und lässt nicht ein einziges Mal Sehnsucht nach seinen Vorgängern aufkommen – Sänger und Mitmusiker von Jeff Waters hatten in der Vergangenheit bei ANNIHILATOR ja eine relativ kurze Anstellungsdauer.

Und was dann endgültig von der CD und der Bühnenqualitäten der Kanadier überzeugt: Live-Versionen werden bei einfallslosen Bands einfach runtergespielt wie im Studio, andere versuchen mehr Power reinzubringen, viele spielen die Titel etwas „einfacher gestrickt“, weil sie komplexere Songs auf der Bühne einfach nicht so hinbekommen wie im Studio. Anders ANNIHILATOR: Die Songs werden live teilweise um noch weitere, noch komplexere Elemente erweitert ohne dass dabei das Grundgerüst, das präzise wie ein Schweizer Uhrwerk laufende Stakkato mindestens einer Gitarre, in den Hintergrund treten würde. „Alison Hell“ und „Set The World On Fire“ beispielsweise werden dadurch extrem gut, vor allem aber „Never, Neverland“ ist in dieser Version das geilste was ich seit langem gehört habe.

Für ANNIHILATOR- und eigentlich für alle Fans echten, harten Metals ist diese Scheibe so verpflichtend wie ein Führerschein zum Autofahren. Und sollte es Leute geben, die die Kanadier noch nicht kennen: Wenn euch METALLICA mittlerweile zu poppig sind, dann hört euch mal dieses Album an. Da ist noch echte Power dahinter.
--Mathias Kempf

08.Spiritual Beggars - Angel Of Betrayal
Album: Ad Astra
Sweden 2000

Auch wenn ihre Albencover eher surrealistisch anmuten, die Spiritual Beggars stehen mitten im Leben. Ganz recht, sie sind musikalische Nachkommen der Blumenkinder, aber weniger das psychedelische Element als die Neigung zu klaren Strukturen zeichnet das musikalische Schaffen der Schweden um Ausnahmegitarrist und Kopf Mike Amott aus. Der "Stoner"-Kategorie längst entflohen (wohlgemerkt: im positiven Sinne), präsentiert "Ad Astra" wie schon dessen Vorgänger Heavy-Rock in Reinkultur. Die Liste der Paten des skandinavischen Feuerwerks endet nicht etwa bei Black Sabbath, es beginnt dort erst: Deep Purple, Mountain und auch die unvergeßlichen Thin Lizzy sind schuld, daß die Spiritual Beggars eine Rakete nach der anderen in den musikalischen Orbit jagen.

Zuweilen erinnert das aktuelle Werk gar an selige Trouble-Zeiten. Jeder Ton ist mit absoluter Hingabe und Überzeugung gespielt. Die Begeisterung der mittlerweile zum Quartett gewachsenen Band breitet sich im Hörer aus wie eine Pfeffer-Infusion: "Ad Astra" vermag selbst die angestaubtesten Rocker wiederzubeleben. Neben Mike Amott ragt besonders Sänger Spice aus einer insgesamt grandiosen Band heraus. Grandiose Band? Grandiose Band: Trommler Ludwig Witt bringt eine Salve nach der anderen sicher ins Ziel, und Organist Per Wjberg steht in Sachen Virtuosität einem John Lord in nichts nach. "Ad Astra", das ist nicht nur ein erbobener Mittelfinger gegen die musikalische Einfältigkeit, das ist ganz sicher eines der besten Alben seiner Art. Noch Fragen? Wohl kaum. --intro.de

09.Bathory - Mother Earth, Father Thunder
Album: Nordland I
Sweden 2002

BATHORY - langsam und mit Bedacht und Ehrfurcht gesprochen: BA-THO-RY ... alleine das Wort jagt jedem anständigen Metaller Schauer über den Rücken.
Schließlich ist Quorthon, der Erfinder und Betreiber der Institution BATHORY, nicht irgendwer. Ohne seine legendären unvergessenen Frühwerke wie 'Under The Sign ...' und 'The Return' würde es - ohne die Verdienste von VENOM oder POSSESSED schmälern zu wollen - den Black Metal in seiner heutigen Form nicht geben. Und Alben wie 'Hammerheart' oder 'Blood On Ice' machten den Viking Metal erst möglich. Angesichts dieser gewaltigen historischen Verdienste, welche durchaus auch eine Verpflichtung darstellen, stellt sich nach einigen etwas durchwachsenen Alben in den letzten Jahren schon die Frage: Was macht BATHORY 2002 (aus) ?
'Prelude' stimmt den Hörer gut ein - majestätisch läßt das Intro Bilder unverbrauchter weiter skandinavischer Landschaften entstehen. Dezent meldet sich Quorthon im Hintergrund zu Wort ... Das Titelstück bricht dann unvermittelt und schwer von allen Seiten über Dich herein - Quorthon knüpft hier an die Tradition der starken Wikinger-Alben von vor zehn Jahren an - erstmal nicht schlecht ... Schnell ist ein typisches BATHORY-Riff ausgemacht, welches sich wie ein roter Faden durch das ganze Titelstück zieht - Klasse! 'Vinterblot' ist ebenfalls ein majestätisch getragenes Juwel der Spitzenklasse. Die Melodie setzt sich sofort fest und läßt einen nicht mehr los. Und in diesem Stil geht es weiter ... großartige Melodien, Versatzstückchen, welche sich als Soundtrack in jedem Film, in dem Schwerter und Helden vorkommen, sehr gut machen würden. 'Dragons Breath' treibt mir dann endgültig die Tränen in die Augen - ein episches und sehr abwechslungsreiches Stück, bei dem Quorthon etwas heißerer als sonst zu Sache geht. In weiten Teilen hat die Musik auf 'Nordland I' mit Metal recht wenig zu tun, ist aber trotzdem gänsehauterzeugend und schlichtweg genial. Dies wird bei 'Ring Of Gold' besonders deutlich, eine gefühlvolle Ballade mit Akustikgitarre, Naturgeräuschen und Hintergrundchören. Wenn man sich auf dieses Klangerlebnis einläßt und auch bereit ist über den Hutrand hinaus zu schauen, so erwartet einen ein akustischer Höhepunkt von exquisiter Bandbreite, was die CD auch nach etlichen Durchläufen noch nicht langweilig erscheinen läßt.'Foreverdark Woods': Maultrommel, von rechts nach links durchgaloppierernder Reiter, Sitarklänge setzen ein; nach ca. einer Minute dann mit voller Wucht eines dieser typischen schleppenden BATHORY-Arrangements - einfach phantastisch und bisher bestes Stück !
'Broken Sword' beginnt mit einem vergleichsweise schnellen Riff, welches ein wenig an 'Enter The Eternal Fire' erinnert - eine augenzwinkernde Reminiszenz an seine frühen Alben (?). Egal, kommt auf jeden Fall gut, das Stück. Bei dem mehr als 8-minütigen 'Great Hall Awaits A Fallen Brother' überrascht Quorthon uns mit einer weiteren Variante seines Stimmumfangs ... einfach anhören. Das Instrumental 'Heimfard' (wäre übrigens ein guter Gruppenname ...) beschließt dieses großartige Album. Nordland II soll laut Presseinformation bereits im Januar 2003 nachgeschoben werden. Alle Stücke halten ein für mich doch etwas überraschendes sehr hohes Niveau und lassen insgesamt wirklich Freude aufkommen.
Das Niveau der Jahrhundertscheibe 'Blood, Fire Death' wird zwar nicht ganz erreicht, aber das ist wahrscheinlich auch gar nicht möglich. --metalglory.de

Bandvorstellung - Was haben Slayer, Metallica und Iron Maiden gemeinsam? Richtig, sie gehören zu den ganz Großen, aber auch die mussten einmal klein anfangen. Deshalb machen wir in jeder Sendung einen regionalen bis deutschlandweiten Support, für die Bands aus dem Underground.

10. Moshquito - Perverted Appetite
11. Moshquito - State Of The Rat
Album: Behind The Mask
Germany 2008

Jeder hat es schon erlebt. Man hört eine bestimmte Melodie und man wird an ein Ereignis oder Begebenheit in seinem Leben erinnert. Tja, dieses Phänomen ist mir vor kurzem auch wiederfahren. Man schmeißt nichts ahnend den mittlerweile achten Silberling von Moshquito in den Player und wird in die Neunziger Jahre versetzt. Es sind so viele Details die „Behind the Mask“ zu meinen persönlichen Favoriten macht, dass mir eigentlich nur die Möglichkeit bleibt eine mehrseitige Review zu schreiben. Um den ganzen einfach mal nen Gerüst zu verpassen, muss ich auf Bands zurückgreifen die mir schlagartig in den Sinn kamen als mir die Mucke der fünf Sachsen das Hirn frei blies. An dieser Stelle fallen mir zum Beispiel die großartigen Resurrection und Brutality aus den Staaten ein, Seance aus Schweden oder die legendären Carcass. All diese Bands prägten meinen Musikgeschmack aufs Nachdrücklichste. Umso schöner ist es, wenn man in der heutigen Zeiten noch auf Bands trifft die den Stilen oder besser gesagt Ihren Wurzeln treu geblieben sind. Dabei sind Moshquito keineswegs eine Kopie meiner Helden. Nein, ganz im Gegenteil. Man überrascht mit einer exzellenten und frischen Produktion die ihre ganz eigene Note besitzt.

Mit Michael Morgenstern am Mikro, ist ein Sänger gefunden wurden, der das Feeling der frühen Metallegenden grandios transportiert. Und der Rest der Band steht dem Ganzen in Nichts nach. Die Gitarrenarbeit von Lohf und Richter ist so markant das sie zu weilen an Death (Song „The Atheist“ ) oder an die bereits erwähnten Brutality (Song „The State Of Rats“) erinnern. Mit dem groovenden Bass von Andrè Nebel und den treibenden, aber präzisen Drums von John Uhle wird „Behind The Mask“ zu einem wahren Erlebnis. Da vergehen die gut 50 Minuten wie im Fluge und man ist wieder angehalten auf Play zu drücken.
Fazit: Diese Band ist meine absolute Empfehlung. Und würde definitiv in die „must hear, before you die“-Kategorie fallen.Und wer sich die Jungs mal Live und in Farbe anschauen möchte, der kann dies gerne tun. Für weitere Informationen besucht die Band-Homepage. --Tobsucht

Konzerte:
23.01. Hainichen – Ratskeller mit Purgatory
12.02. Lugau - Iron Eagle mit Macbeth
13.02. Gera - Sächsischer Bahnhof mit Macbeth
16.04. Weißenfels - Schlosskeller mit In Slumber & Lost Dreams
17.04. Berlin - Amnesie mit In Slumber & Lost Dreams
24.04. Reischenbach-Rotschau (V.) - Linde mit In Slumber & Lost Dreams
20.05. Passau - Club t.b.a. mit In Slumber & Lost Dreams
21.05. St.Pölten, Salzburg - Freiraum mit In Slumber & Lost Dreams
22.05. Marchtrenk - Volkhaus mit In Slumber & Lost Dreams
23.05. Graz - t.b.a. mit In Slumber & Lost Dreams
02.06. Innsbruck - Live Stage mit In Slumber & Lost Dreams
03.06. Vorarlberg - mit In Slumber & Lost Dreams
04.06. Südtirol/Italien - mit In Slumber & Lost Dreams
05.06. Lienz - Volkshaus mit In Slumber & Lost Dreams
01.10. Dresden - Skullcrusher beim Metalfestival für krebskranke Kinder

Homepage: Moshquito

The School Of Rock - Fast genauso wichtig wie der "Must Hear Before You Die"-Block, ist das kleine Intermezzo was euch Andreas in Zukunft nahe bringen wird. Ohne diese Bands gäbe es kein Arch Enemy oder Amon Amarth. Dies ist der Musikunterricht der etwas anderen Art. Hier steht Rockgeschichte auf dem Lehrplan.

12.Led Zeppelin - Immigrant Song
Album: Remasters
Great Britain 1990

Jimmy Page präsentiert mit "Remasters" eine wunderbare Doppel-CD mit allen relevanten Led Zeppelin-Songs. Der Zuhörer wird auf eine Reise von den frühen Tagen der Band bis in die späten 70er mitgenommen und kann sich so ein eindrucksvolles Bild von der Kreativität und Schaffenskraft dieser großartigen Rocklegende machen.
Es sind die verschiedenen Einflüsse und wechselnden Stilrichtungen, die gekonnt in die Songs eingebunden wurden und den unverkennbaren Stil von Led Zeppelin prägten. Für viele Menschen war und ist die Musik teilweise schwer verständlich und kompliziert aber wenn man sich erst mal mit der Musik vertraut macht, dann wird einem die nachhaltige Bedeutung von Led Zeppelin klar. Kaum eine Band hat neben Led Zeppelin und Deep Purple die Rockmusik stärker beeinflusst. Robert Plant's Stimme ist einzigartig und wurde neben Jimmy Page's Virtuosität zum Markenzeichen von Led Zeppelin, obwohl Led Zeppelin nur als Geasamtkunstwerk zu verstehen ist, aber die beiden John's hielten sich bewusst stets etwas im Hintergrund auf.
Wer die Musik von Led Zeppelin kennenlernen möchte sollte sich diese Doppel-CD (die wie gesagt fast alle Highlights enthält) unbedingt holen und braucht sich so nicht durch die ganzen Alben durchhören. Wahre Fans haben sie sowieso in ihrer Sammlung! --Purple Mind

13.Rainbow - Man On The Silver Mountain
Album: Finyl Vinyl
Great Britain 1986

Bei vielen Fans ist "Finyl Vinyl" nicht unbedingt beliebt. Teilweise ist das verständlich, enthält das Album doch qualitativ sehr unterschiedliche Live-Versionen aller Rainbow-Besetzungen, gemixt mit z.T. gewöhnungsbedürftigen Single-B-Seiten. Doch eigentlich ist genau dieser Mix der Grund warum man dem Album eine Chance geben sollte: Hier findet der Rainbow-Fan alles was nach der (sowieso obligatorischen) Anschaffung der sieben Studio- und zwei Livealben noch fehlt. Und "Finyl Vinyl" lohnt sich: Mit "Weiss Heim" und "Jealous Lover" sind zwei B-Seiten vertreten, die mit zum Besten gehören was unter dem "Rainbow" - Banner veröffentlicht wurde. Absolut unverständlich warum es diese Songs nicht auf ein Album geschafft haben! Die B-Seite "Bad Girl" kann allerdings qualitativ nicht mithalten. Kein Wunder, stammt sie doch aus der "Down To Earth" - Phase, dem sicherlich moderatesten aller "Rainbow" - Alben. Die Live-Aufnahmen bestehen im Wesentlichen aus qualitativ durchweg hochwertigem Material der Joe Lynn Turner-Ära. Sehr zu empfehlen! Auf's Album auch geschafft hat es ein Live-Stück mit Graham Bonnet, nämlich "Since You've Been Gone". Dies zeigt Bonnet's großartige Livequalitäten, ein Wahnsinnssänger! Ein Wahnsinnssänger ist bekanntermaßen auch Ronnie James Dio. Der einzig wahre Sangesgott ist auf "Finyl Vinyl" mit "Long Live Rock'n'Roll" und "Man On The Silver Mountain" verewigt. Beide Aufnahmen sind von seiner letzten Tour mit "Rainbow" von 1978. Von dieser Tour gibt es nur wenige Livedokumente, daher auch für Sammler interessant. Wer sich das Album jedoch nur wegen der Dio-Stücke in den Schrank stellen möchte, sei vorgewarnt: Die Qualität von "On Stage" oder "Live in Germany 1976" wird hier nicht erreicht! Alles in allem ein in jedem Sinne lohnendes Album, und zudem eins was der eingefleischte "Rainbow" - Komplettist auch einfach nicht vermeiden kann. Löblich ist, dass Polydor das Album nach einer jahrelangen Durststrecke jetzt endlich wieder in der kompletten Länge anbietet, nachdem es ewige Zeiten nur als "kastrierte" CD-Fassung erhältlich war auf der ein Stück fehlte. Nicht nur das: Jetzt ist das Album sogar noch um ein paar bisher unveröffentlichte Livetracks von der "Bent Out Of Shape"-Tournee aufgestockt worden. Bestens! --Marabu

14.Black Sabbath - Sabbath Bloody Sabbath
Album: Sabbath Bloody Sabbath
USA 1973

Black Sabbath bekamen 1973 einhellig positive Kritiken für ihr neues Werk. Es beinhaltete einen vielschichtigen Sound, der mit viel Streichern, Keyboards und akustischen Gitarren veredelt war. "Sabbath Bloody Sabbath" hat ein mitreißendes Riff und einen überraschend melodiösen und jazzigen Ausgang; "Killing yourself to live" vielschichtige Polyrhytmen, "Fluff" ist ein sentimentaler Ausflug mit der akustischen Gitarre - mittelalterlich anmutend - und Spiral Architekt eine dramatischa aufgebaute Komposition mit Keyboardeinlagen von Rick Wakeman (ein begehrter und teurer Session-Musiker damals) und einem melodiösen langen Akustik-Gitarren Intro.
Die LP zählt als bestes Werk von Black Sabbath, die damit den Kritikern ihre Fähigkeiten gezeigt hatten. Allerdings ist die vorherige LP "Vol. 4" ebenfalls toll, da der Heavy Sound mit seinen ausnahmelos guten Kompositionen perfekt abgemischt wurde, "Bloody Sabbath" klingt manchmal etwas überproduziert und dünn, die Stimme von Osbourne ist manchmal krächzend. Aber das stört nicht, da die LP wirklich originell und kaufenswert ist, ich habe sie mir als 12 jähriger Teenager im Erscheinungsjahr (nach "Spiral Architekt" in Bayern 2 gehört)gleich vom Taschengeld gekauft und jahrelang behalten.
Von Black Sabbath sind meiner Meinunung anschaffenswert: 1. "Paranoid"!!, 2. "Vol. 4" mit seiner tollen und schlichten Live-Covergestaltung und guten Kompositionen, die ohne Okkultlyriken auskommen, !3. "Sabbath Bloody Sabbath"!. Als ganze Werke, den Rest habe ich mir in einzelnen Songs von geliehenen CD's und LPs auf Kassette überspielt. Hätte die Karriere der Gruppe 1973 nach "Sabbath Bloody Sabbath" geendet, es wäre ein würdevoller Abgang gewesen. Leider hat Ozzy Osbourne in seiner Solokarriere die alte Würde und den Charme der frühen Black Sabbath etwas getrübt durch seine albernen Covers und Verhaltensweisen. Aber seine Glanzzeit war meiner Ansicht 1970 bis 73, seine späteren Fehltritte ignoriere ich einfach. --Alfred Neumann

15.Accept - Fast As A Shark
Album: Restless And Wild
Germany 1982

Als das Gitarrenduo Wolf Hoffmann/Jörg Fischer nach dem erstklassigen ´81er Accept-Album Breaker gesprengt wurde, weil Fischer aufgrund von persönlichen Problemen die Band verließ, sah es ganz danach aus, als würden die Solinger Metaller schweren Zeiten entgegenschippern. Ein geeigneter Ersatzmann ließ sich im damals noch blutjungen Metal-Deutschland nämlich nicht auftreiben, und so stand Hoffmann immer noch alleine da, als die Produktion der nächsten Platte anlief. Hoffmann rang sich dazu durch, sämtliche Parts alleine einzuspielen, kniete sich genau wie seine Kollegen mit doppeltem Eifer rein und erschuf einen der größten Klassiker der teutonischen Stahlschmiede-Kunst. Restless And Wild enthält mit dem pfeilschnellen "Fast As A Shark", dem hitverdächtigen Titeltrack und dem enorm atmosphärischen "Princess Of The Dawn" drei der zehn besten Accept-Songs aller Zeiten, die das Album locker an Breaker vorbeischießen lassen. Die Songs wirken durchdachter, der Sound ist amtlich, und Sänger Udo Dirkschneider weiß noch versierter mit seinem großartigen Shouter-Organ umzugehen. --Michael Rensen

Hard N Avantgarde - Ist das Metal? Indie? oder schon Kunst? Ich nenne es die Avantgarde. Bands die in kein Schema passen und das ist auch gut so. Wer Metal immer für stupides Gekloppe gehalten hat, kann sich hier eines besseren belehren lassen. Metal ist vielfältig und manchmal ganz schön Dunkelbunt.

16.Sleepytime Gorilla Museum - Helpless Corpses Enactment
Album: In Glorius Times
USA 2007

Es ist gar nicht einmal so lange her, als ich mich während eines Reviews fragte, was eine Plattenfirma dazu veranlasst, die Metal-Presse damit zu beauftragen, eine Platte zu bewerten, die mit Metal im Groben rein gar nichts zu tun hat. Nun, die Rückkehr dieser Frage sollte wohl schneller gefeiert werden, als erwartet, denn mit „In Glorious Times“ von SLEEPYTIME GORILLA MUSEUM ereilt mich dieses Gefühl erneut. Zwar wäre Rock als Genre nicht so weit entfernt vom Metal - die Band bezeichnet ihren Stil nämlich gar selbst als „avantgardistischen Rock gegen Rock“ - aber auch mit jeglichen Arten des Rock hat das hier Gebotene wenig zu tun. Würde man es sich nun extrem vereinfachen, würde man den fünf Musikern einfach den allseits beliebten „Progressiv!“-Stempel aufs Haupt ballern und damit hat’s sich. Schublade auf, Band rein, fertig! Hach ja, … wenn das nur so einfach wäre…

SLEEPYTIME GORILLA MUSEUM sind seit jeher bekannt als die personifizierte Komplikation, als eine Art eigene Mathematik innerhalb ihrer Musik. Die Wörter Eingängigkeit und Geradlinigkeit sind im Wortschatz der Kalifornier schlicht und einfach non-existent und so tun sie sich völlig absichtlich schwer, eben jene Wörter in ihrer Musik umzusetzen. Beim ersten Durchhören des Albums lag mir ein Vergleich auf der Zunge, der immer mehr an beschreibender Deutlichkeit gewann: Diese Gruppe klingt verdammt heftig nach Mike Pattons Projekt FANTÔMAS, wenn man sie auf halber Geschwindigkeit abspielt, den Metal an sich subtrahiert und hier und da ein paar Pfannen, Töpfe und evtl. schräge instrumentale Eigenkreationen addiert. Jedenfalls hätte [oder vielleicht hat] der musikalisch experimentierfreudige Ex-FAITH NO MORE Frontmann seine wahre Freude an diesem auditiven Wahnsinn. Warum sich mein anfänglich vorsichtiger Vergleich immer mehr manifestierte, liegt übrigens an der unglaublichen Tatsache, dass ich bei meinen Recherchen in der Tat darauf stieß, dass man nicht nur die angesprochenen Instrumente der Marke Eigenbau kreiert und davon ab und zu Gebrauch macht, sondern wirklich sämtliche Küchenutensilien zugunsten der Percussions zusammensammelte.

Da Wahnsinn und Genie bekanntlich sehr nah beieinander liegen können, werde ich einen Teufel tun und dieses Album, geschweige denn dieser Band etwas wirklich Schlechtes nachsagen. Auf rein musikalischer Ebene wird uns hier ein durchdachter, bis ins letzte Detail geplanter und vor allem taktlich geradezu hochmathematisch berechneter und unzugänglicher Soundberg präsentiert, für dessen Erklimmung [sprich: Verständnis, Wahrnehmung und Verarbeitung] Voraussetzungen vergleichbar mit denen des Mount Everest gelten. Das Basiscamp erreichen wir wohl alle irgendwie, aber was liegt darüber hinaus? Findet es selbst heraus, denn das ist es meist, was Künstler vom Kunstliebhaber verlangen: verschafft Euch eigene Erkenntnisse, eigene Interpretationen und vor allem Euren eigenen Eindruck von diesem theatralmusikalischen Gesamtkunstwerk. Am besten vielleicht vorab auf der bandeigenen MySpace-Seite, die auch aktuelle Tracks präsentiert. Auch wenn diese nun folgenden Acts jeweils extrem weit voneinander entfernt liegen: wer Bands wie MR. BUNGLE, MESHUGGAH, KING CRIMSON oder FANTÔMAS mag, sollte hier wirklich ein Ohr riskieren.

Für mich sind SLEEPYTIME GORILLA MUSEUM jedenfalls einerseits die perfekte Untermalung beim Lesen eines Psychothrillers und auf anderer Seite Inspiration zu stimmungsvollem Schreiben. Sie sind oft alles auf einmal und dann wieder minimalistisch wie der Dalai Lama persönlich, aber sie sind vor allem eines: geniale, in dieser Konstellation absolut nicht massentaugliche Musiker aus Leidenschaft mit Hang zu Dramatik und Spannung im künstlerischen Sinne. Meine tiefste Verneigung vor dieser musikalisch geradezu dadaistischen Arbeit, die sich wirklich danach anhört. --Patrick Franken

17.Thorns - Interface To God
Album: Thorns
Norway 2001

Snorre Westvold Ruch entschied sich gleich für drei verschiedene Sänger auf seinem ersten THORNS-Album. Zu hören sind Aldrahn (Ex-DØDHEIMSGARD), Satyr (SATYRICON) und Snorre selbst. An den Kesseln hat er sich kurzerhand Drum-Hure Hellhammer (hauptamtlich bei MAYHEM tätig und in unzähligen weiteren Bands aktiv) geholt und ein schwarzmetallisches Album eingehobelt, dass auf den ersten Blick eigentlich so gar nicht zur dunklen Gemeinde passen will. Die Kompositionen sind allesamt düster, kalt und äußerst bedrohlich, aber auf eine etwas andere Art, als es im Black Metal üblich ist. Vordergründig beeinflusst wird die Musik auf "Thorns" durch die verwendete lyrische Thematik, die sich grundsätzlich rund um das Raum-/Zeitgefüge, Astrologie und die Menschheit allgemein dreht. Song-Titel wie "Stellar Master Elite", "Underneath The Universe" oder "Interface To God" sprechen da bereits Bände. Hochgeschwindigkeitsgeknüppel lassen THORNS weitestgehend außer Acht und konzentrieren sich auf den Aufbau von Atmosphären und Stimmungen. Fiese und eiskalte Gitarren schneiden sich wie Rasierklingen in den Gehörgang und werden von hämmernden Drums und einer rasend schnellen Doublebass gestützt, die einmal mehr gewohnt präzise und wahnwitzig von Hellhammer gespielt werden. Auch schleppende Anteile kommen geltend zum Zug, so dass "Thorns" äußerst abwechslungsreich und aufgeschlossen wirkt. Letzteres bekräftig unter anderen der Einsatz von Samples und unterkühlten elektronischen Spielereien, die dem Album eine zusätzliche, industrielle Note verleihen. Die Lyrics werden erstaunlich gut betont und stellenweise gehen die Textpassagen sogar regelrecht leicht ins Ohr und verankern sich dort nachhaltig. Es stört zu keiner Sekunde, dass hier mehrere Stimmen genutzt werden, denn der jeweilige Song harmoniert mit der Sängerwahl außerordentlich gut.

THORNS haben mit diesem Debütalbum ein in sich stimmiges Werk abgeliefert, mit Musik, die es in dieser Form zuvor so noch nicht gab. Wer den handelsüblichen Black Metal satt hat oder mit dem Genre nicht soviel anfangen kann, bzw. bisher konnte, sollte sich THORNS einmal vorknüpfen, denn hier könnte es eventuell eine positive Überraschung geben. --metal.de

18.Anaal Nathrakh - The Final Absolution
Album: Hell Is Empty, And All The Devils Are Here
Great Britain 2007

Nach ihrem 2006er Monsteralbum "Eschaton" legen die Briten aus Birmingham nach und schmeißen "Hell Is Empty, And All The Devils Are Here" ein Jahr später hinterher.
Das Erfolgskonzept des Vorgängeralbums wird beibehalten und besonders die Rezeptur von Songs wie das beliebte "Between Shit And Piss We Are Born" wird auf "Hell Is Empty, And All The Devils Are Here" häufig verwendet. Krank gebrüllte, gekreischte, gegrunzte oder einfach nur hingekotzte Textpassagen werden von zumeist hochmelodisch gesungenen Refrains ergänzt und trotzdem dieser Umstand des auf-Nummer-Sicher-gehens beim Songwriting bei manchen einen leicht faden Beigeschmack hervorrufen dürfte, haben ANAAL NATHRAKH ihre Aufgabe auf diesem Album hier erstklassig erfüllt. Zudem ist diese Art des Vorgehens einfach ihr Markenzeichen geworden. So wird es gemacht, so fliegt die Kuh. Prall gefüllt mit allerlei abgefahrenen Riffs und aberwitzig schnellen Parts rappelt die Scheibe ordentlich durchs Mauerwerk und zerbröselt so ziemlich jedes Steinchen. Erstaunlich ist nach wie vor, wie lückenlos es die Burschen schaffen, ihre sehr extreme Musik mit zum Teil fast schon Pop-tauglichen Melodien zu versehen und sogar gesangstechnisch richtig was vom Leder zu reißen. Derartig packende Refrains kriegen stellenweise nicht einmal Power-Metal-Truppen hin, von denen man sowas ja in der Regel gewohnt ist. Hut ab. Der Sound auf "Hell Is Empty, And All The Devils Are Here" ist natürlich einmal mehr absolut Killer, so dass es an dieser Stelle nichts auszusetzen gibt. Es knallt, sägt, böllert und scheppert im richtigen Maße und somit dürfte jedes rüpelhafte Herz vom klanglichen Ergebnis absolut begeistert sein. Zum Schluss möchte ich noch einmal Schreihals Dave Hunt huldigen, der bekanntlich auch bei BENEDICTION tätig ist. Dieser Mann ist einfach nur durchgeknallt. Was der hier mit seiner Stimme anstellt ist nicht von dieser Welt. Ich habe selten einen Sänger gehört, der so enorm viele Facetten des extremen Gesangs drauf hat und dann zur Krönung auch noch dermaßen gekonnt melodisch singt, als wenn er nie etwas anderes getan hätte. Das ist definitiv eine Verneigung wert. Dass bei den Aufnahmen Shane Embury von NAPALM DEATH am Bass ausgeholfen hat, soll hier nur zur Info dienen, ebenso wie der Umstand, dass "Hell Is Empty, And All The Devils Are Here" auf seinem Label FETO Records veröffentlicht wurde.

Ich hoffe, dass die beiden hauptverantwortlichen Bösbuben Mick Kenney und Dave Hunt mit ANAAL NATHRAKH früher oder später den Erfolg erhalten, den sie für ihre abgekickte Musik auch verdienen. Hammer Scheibe, Hammer Band. Total irre. --metal.de

19.Knorkator - Für Meine Fans
Album: Das nächste Album aller Zeiten
Germany 2007

KNORKATOR, die meiste Band der Welt, hat mit "Das Nächste Album Aller Zeiten" die zweitbeste Platte ihrer Karriere abgeliefert. Nicht weiter verwunderlich ist, dass die Boygroup ihr Überalbum "Ich Hasse Musik" nicht toppen konnten. Zwei kleinere Durchhänger in Form der Songs "Franz Hose" und "Symphonische Dichtung" haben dies erfolgreich zu verhindern gewusst. Nichtsdestotrotz ist "Das Nächste Album Aller Zeiten" ein überaus geiles Album! Die Musik der fünf Jungs aus Berlin ist nun weitaus gereifter und strukturierter und die Texte wesentlich erwachsener und durchdachter. Lustig, aber auf den Punkt gebracht. Man äußert sich nun in gewohnt witziger KNORKATOR-Manier auch sozialkritisch. Die beiden Songs "Eigentum" und "Geld" sind die gelungensten Beweise hierfür. Der Spezielle Humor der Band ist auch etwas verfeinert worden. Solch typisch unappetitlichen, aber dennoch unterhaltsamen "Kopf in Anus"-Themen und dem allseits beliebten "Hass auf Jugendliche" wird ebenso gefrönt, wie hemmungslosem Geschlechtsverkehr. Und das merklich wortgewandter und nicht minder witzig als auf den letzten Alben.

Merklich ist der vermehrte Einsatz von elektronischen Sounds und fetteren Gitarren im Stile von IN EXTREMO. Was auf "Ich Hasse Musik" schon seinen Anfang fand, wurde auf dem neuen Album konsequent fortgeführt. Auf "Das Nächste Album Aller Zeiten" finden sich einige Songs wieder, die wohl zu den Besten gehören, die die Band je hervorgebracht hat. "Alter Mann" ist wohl das beste Beispiel dafür.

Das neue Album ist zwar nicht besser als "Ich Hasse Musik" aber auch nicht schlechter – es ist einfach "anders" und mit dem Vorgänger nur schwer zu vergleichen. Löblich hervorheben muss man, dass die Berliner es wirklich gaschafft haben, sich nicht zu wiederholen oder sich selbst zu kopieren, aber gleichzeitig ihrem Stil treu zu bleiben. Daher eine ganz klare Kaufempfehlung meinerseits! --metal.de

0 Comments


Leave a Comment